Vitamin D ist ein essenzieller Nährstoff für die ordnungsgemäße Funktion des Körpers. Besonders bekannt ist seine Rolle bei der Aufnahme von Kalzium und Phosphor sowie beim Erhalt gesunder Knochen und Zähne. Darüber hinaus trägt es zur normalen Muskelfunktion und zu einem funktionierenden Immunsystem bei.
Der Nährstoff könnte jedoch auch für die Gefäßgesundheit von Bedeutung sein. Laut der in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Frontiers in Nutrition veröffentlichten Studie „Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und neu auftretenden Krampfadern: eine nach Propensity Scores gematchte Kohortenstudie“ war ein Vitamin-D-Mangel mit einem um 62 % erhöhten Risiko für die Entstehung von Krampfadern verbunden.
„Der Befund erweitert die Diskussion über die verschiedenen Faktoren, die bei Krampfadern eine Rolle spielen. Neben genetischer Veranlagung, hormonellen Veränderungen und der Belastung des Kreislaufs durch Umstände wie Schwangerschaft, Übergewicht und langes Stehen legt die Studie nahe, dass auch Ernährungsaspekte damit zusammenhängen könnten und Beachtung verdienen“, erklärt die Gefäßchirurgin Dr. Aline Lamaita, Mitglied der Brasilianischen Gesellschaft für Angiologie und Gefäßchirurgie.
Wie wurde die Studie zu Vitamin D und Krampfadern durchgeführt?
In die Untersuchung flossen Daten von Erwachsenen ab 40 Jahren ein, bei denen zwischen 2010 und 2023 mindestens zwei Vitamin-D-Bestimmungen vorgenommen worden waren. Die Teilnehmenden wurden zunächst anhand ihrer Nährstoffwerte eingeteilt und danach nach klinischen Merkmalen abgeglichen. Dadurch entstanden zwei vergleichbare Gruppen mit jeweils mehr als 257.651 Personen.
Die erste Gruppe umfasste Patientinnen und Patienten mit Vitamin-D-Mangel, der als Wert von höchstens 19,9 ng/mL definiert wurde. Die Vergleichsgruppe bestand aus Personen mit als ausreichend eingestuften Konzentrationen ab 30 ng/mL. Neben dem um 62 % höheren Risiko für Krampfadern bei Vitamin-D-Mangel stellten die Forschenden zudem einen Zusammenhang mit einem um 122 % höheren Risiko für Krampfadern mit Geschwüren, einem um 171 % höheren Risiko für Krampfadern mit Entzündung und einem um 45 % höheren Risiko für weitere Komplikationen fest.
In der Studie aufgestellte Hypothesen
Nach Angaben von Dr. Aline Lamaita betrifft eine der von den Forschenden formulierten Hypothesen die Wirkung von Vitamin D auf das Endothel, also die innere Auskleidung der Blutgefäße. „Der Nährstoff ist zudem an Mechanismen beteiligt, die mit der Kontrolle von Entzündungen, oxidativem Stress und der Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid zusammenhängen – einer Substanz, die zur Gefäßregulation beiträgt“, so die Expertin.
Sie erläutert, dass Krampfadern durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entstehen: einer geschwächten Venenwand, erweiterten Venen, Veränderungen an den Klappen, die das Blut zurück zum Herzen leiten, sowie einem lokalen Entzündungsprozess. „Deshalb ist es nachvollziehbar zu untersuchen, ob niedrige Vitamin-D-Werte direkt oder indirekt zu Krampfadern beitragen könnten“, betont sie.
Zusammenhang muss noch eingehender untersucht werden
Die Studie berücksichtigte auch Personen mit als unzureichend bewerteten Vitamin-D-Werten zwischen 20 und 29,9 ng/mL. Auch bei ihnen war das Risiko, Krampfadern zu entwickeln, im Vergleich zu Personen mit Konzentrationen ab 30 ng/mL um 56 % erhöht.
„Obwohl die Ergebnisse relevant sind, weil sie neue Forschungsansätze zur Vorbeugung und Behandlung von Krampfadern eröffnen, müssen sie vorsichtig interpretiert werden. Die Studie zeigt einen Zusammenhang auf, der genauer untersucht werden muss, ohne zu behaupten, dass ein Vitamin-D-Mangel eine direkte Ursache von Krampfadern ist“, warnt Dr. Aline Lamaita.
Wie die Ärztin erklärt, können Menschen mit Vitamin-D-Mangel zugleich weitere Faktoren aufweisen, die den Kreislauf beeinflussen. Dazu zählen eine geringere Sonnenexposition, Bewegungsmangel, Adipositas, chronische Erkrankungen und weniger gesunde Lebensgewohnheiten. „Informationen etwa zur Sonnenexposition, zur körperlichen Aktivität und zu Lebensgewohnheiten lagen in der ausgewerteten Datenbank jedoch nicht vor“, hebt sie hervor.
Sie unterstreicht außerdem, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, eine Vitamin-D-Substitution verhindere das Auftreten von Krampfadern oder jede Person mit Krampfadern müsse den Nährstoff bestimmen lassen, um zwingend mit einer Supplementierung zu beginnen.
„Ob eine Untersuchung angezeigt ist, sollte anhand der Krankengeschichte, der Risikofaktoren und einer individuellen ärztlichen Beurteilung entschieden werden. Ebenso ersetzt die Korrektur eines möglichen Mangels durch Supplementierung weder die Untersuchung noch die Behandlung des Kreislaufs. Menschen mit erweiterten Venen, Schmerzen, Schweregefühl, Schwellungen, Juckreiz oder Wunden an den Beinen sollten eine Gefäßchirurgin oder einen Gefäßchirurgen aufsuchen“, schließt sie.
Von Paula Amoroso
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