Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Anstieg der Mpox-Fälle in Afrika am Mittwoch zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt. Damit löste sie angesichts der sich verschärfenden Lage ihre höchstmögliche Warnstufe aus.
Wegen der steigenden Fallzahlen in der Demokratischen Republik Kongo und der Ausbreitung in angrenzende Staaten berief die WHO kurzfristig ein Expertentreffen zur Bewertung des Ausbruchs ein.
„Heute ist der Notfallausschuss zusammengekommen und hat mir mitgeteilt, dass die Lage nach seiner Auffassung eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite darstellt. Ich habe diese Empfehlung angenommen“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf einer Pressekonferenz.
Eine PHEIC ist die höchste Alarmstufe der Internationalen Gesundheitsvorschriften, die für 196 Länder rechtlich verbindlich sind.
„Der Nachweis und die rasche Verbreitung einer neuen Mpox-Klade im Osten der DR Kongo, ihr Auftreten in Nachbarländern, die zuvor keine Mpox-Fälle gemeldet hatten, sowie das Potenzial einer weiteren Ausbreitung in Afrika und darüber hinaus sind sehr besorgniserregend“, erklärte Tedros.
„Es ist eindeutig, dass eine koordinierte internationale Reaktion unerlässlich ist, um diese Ausbrüche zu stoppen und Leben zu retten.
„Das sollte uns alle beschäftigen.“
Beunruhigende neue Subklade
Die Entscheidung der UN-Gesundheitsorganisation folgt einen Tag nachdem die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union wegen des zunehmenden Ausbruchs ebenfalls einen Gesundheitsnotstand ausgerufen hatte.
Tedros zufolge übertrafen die in der DR Kongo seit Jahresbeginn gemeldeten mehr als 14.000 Fälle und 524 Todesfälle bereits die Gesamtzahl des Vorjahres.
„Das Auftreten der Klade 1b im vergangenen Jahr und ihre schnelle Verbreitung in der DR Kongo, wo sie sich offenbar hauptsächlich über sexuelle Netzwerke ausbreitet, sowie ihr Nachweis in Ländern an der Grenze zur DR Kongo sind besonders besorgniserregend“, sagte er mit Verweis auf Burundi, Kenia, Ruanda und Uganda.
Dimie Ogoina, der den Notfallausschuss leitete, erklärte, alle 15 anwesenden Mitglieder hätten den Mpox-Anstieg einstimmig als außergewöhnliches Ereignis eingestuft.
Viele Ausschussmitglieder befürchteten demnach, dass die bekannte Lage in Afrika „tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs“ sei, denn ohne eine stärkere Überwachung „haben wir kein vollständiges Bild“.
Maria Van Kerkhove, Direktorin für Epidemie- und Pandemievorbereitung sowie Prävention bei der WHO, betonte: „Mit einer gemeinsamen Anstrengung können wir die Übertragung von Mpox stoppen.“
Allerdings benötigten Fachleute ein „deutlich besseres Verständnis der Epidemiologie“ und der Übertragungsmuster. Dies würde helfen, die begrenzte Zahl verfügbarer Impfstoffe möglichst wirksam einzusetzen.
Zwei Impfstoffe gegen Mpox werden von den WHO-Expertinnen und -Experten für Immunisierung empfohlen.
PHEIC-Status
Das Virus, das früher als Affenpocken bezeichnet wurde, wurde 1970 erstmals bei Menschen in dem Gebiet nachgewiesen, das heute zur DR Kongo gehört.
Mpox ist eine Infektionskrankheit, die durch ein Virus verursacht wird. Dieses kann von infizierten Tieren auf Menschen übergehen, wird jedoch auch durch engen körperlichen Kontakt zwischen Menschen übertragen.
Die Erkrankung führt zu Fieber, Muskelschmerzen und großen, furunkelähnlichen Hautveränderungen.
Es handelt sich um die zweite aufeinanderfolgende PHEIC wegen Mpox, allerdings mit Blick auf einen anderen und tödlicheren Virusstamm.
Im Mai 2022 nahmen Mpox-Infektionen weltweit stark zu. Betroffen waren aufgrund der Subklade 2b überwiegend schwule und bisexuelle Männer.
Die WHO rief einen Gesundheitsnotstand aus, der von Juli 2022 bis Mai 2023 andauerte. Der inzwischen weitgehend abgeklungene Ausbruch verursachte etwa 140 Todesfälle bei rund 90.000 Fällen.
Die Subklade 1b, die sich seit September 2023 in der DR Kongo stark ausbreitet, verursacht schwerere Erkrankungen als Klade 2b und weist eine höhere Sterblichkeitsrate auf.
Vorbereitung und Ressourcen
Seit 2009 wurde eine PHEIC zuvor nur siebenmal ausgerufen: wegen der H1N1-Schweinegrippe, des Poliovirus, Ebola, des Zika-Virus, erneut Ebola, Covid-19 und Mpox.
Marion Koopmans, Direktorin des Pandemic and Disaster Management Centre an der Erasmus-Universität Rotterdam, sagte, die Ausrufung einer PHEIC erhöhe die weltweite Alarmbereitschaft.
Doch „die gleichen Prioritäten bleiben bestehen: Investitionen in Diagnostikkapazitäten, Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens, Unterstützung bei Behandlungen und Impfungen“, erklärte sie. Dies sei eine Herausforderung, da der DR Kongo und seinen Nachbarländern Ressourcen fehlten.
Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften teilte mit, sie verstärke die Vorsorgemaßnahmen in ganz Afrika, insbesondere im stark betroffenen Osten der DR Kongo.
Dank ihres weitreichenden Netzwerks sei die IFRC darauf vorbereitet, „eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung der Ausbreitung der Krankheit zu spielen, selbst in schwer erreichbaren Gebieten, in denen der Bedarf am größten ist“.
© Agence France-Presse
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