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Vogelbeobachtung könnte das Gehirn im Alter schützen

Mann beobachtet mit Fernglas einen Vogel im Wald, schematische Darstellung eines Gehirns im Hintergrund.

Forschungen deuten darauf hin, dass sich das Gehirn bis ins hohe Alter leistungsfähig halten lässt, etwa durch das Erlernen von Sprachen oder künstlerisches Arbeiten. Offenbar könnte die Vogelbeobachtung ähnliche Wirkungen haben.

Eine neue Untersuchung kanadischer Wissenschaftler ergab, dass erfahrene Vogelbeobachter in Hirnregionen, die mit Aufmerksamkeit und Wahrnehmung verknüpft sind, dichteres und komplexer aufgebautes Gewebe aufwiesen als Anfänger.

Die Ergebnisse stützen die Idee der Neuroplastizität: Die Art, wie wir unser Gehirn beanspruchen, kann dessen Verschaltung bis zu einem gewissen Grad tatsächlich verändern – möglicherweise auf eine Weise, die im späteren Leben vor kognitivem Abbau schützt.

„Bei Experten zeigten Regionen, die an Aufmerksamkeit und Wahrnehmung beteiligt sind, strukturelle Veränderungen; dieselben Regionen wurden zudem gezielt aktiviert, um die Identifizierung unter schwierigen Bedingungen zu unterstützen“, schreiben die Forschenden in ihrer veröffentlichten Studie.

„Die Ergebnisse legen außerdem nahe, dass der Erwerb von Wissen altersbedingten Abbau in umschriebenen Hirnregionen, die Expertenleistungen ermöglichen, abmildern könnte.“

MRT-Scans von erfahrenen Vogelbeobachtern

Die Studie untersuchte gleichzeitig die Struktur des Gehirns und dessen Verarbeitungsvorgänge. Dafür führten die Wissenschaftler MRT-Scans bei 29 Experten für Vogelbeobachtung und 29 Anfängern durch, die hinsichtlich Alter und Bildung vergleichbar waren. Während der MRT sollten die Teilnehmenden Bilder unterschiedlicher Vögel bestimmen. Anschließend wurden die Aufnahmen auf ein Maß der Gehirnkomplexität hin ausgewertet, die sogenannte „mittlere Diffusivität“.

„Das von uns verwendete Maß beschreibt die Diffusion von Wassermolekülen im Gehirn“, erklärt der Neurowissenschaftler Erik Wing vom Rotman Research Institute in Kanada. „Vereinfacht gesagt ist im Gehirn von Experten weniger eingeschränkt, wohin sich Wasser bewegen kann.“

Tatsächlich wiesen erfahrene Vogelbeobachter in Hirnarealen, die mit dem Erkennen von Vögeln zusammenhängen, eine niedrigere mittlere Diffusivität auf – als hätten diese Bereiche ein System-Upgrade erhalten. Darüber hinaus waren es genau diese Regionen, die aktiv wurden, wenn den Teilnehmenden ihnen unbekannte Vogelarten gezeigt wurden.

Auch hinsichtlich eines Schutzes vor kognitivem Abbau im Alter gab es subtilere Hinweise: Mit zunehmendem Alter wird Hirngewebe natürlicherweise weniger komplex, was sich in einer höheren mittleren Diffusivität ausdrückt. Bei den erfahrenen Vogelbeobachtern schien dieser Prozess jedoch langsamer als üblich voranzuschreiten.

„Das Erlernen von Fähigkeiten durch die Vogelbeobachtung könnte die Kognition im Alter fördern“, sagt Wing.

Aufmerksamkeit und Wahrnehmung bei der Vogelbeobachtung

Vogelbeobachter eignen sich gut als Untersuchungsgruppe für eine solche Forschung, weil ihr Hobby verlangt, aus einer Vielzahl visueller Informationen entscheidende Details herauszufiltern und die Aufmerksamkeit über längere Zeit hochzuhalten. Schließlich lässt sich nie vorhersagen, wann ein seltener Vogel auftaucht.

So positiv diese Unterschiede im Gehirn auch sind, sollten die Ergebnisse nicht zu weitreichend ausgelegt werden. Die Teilnehmenden absolvierten beispielsweise keine Gedächtnis- oder Kognitionstests. Sicher lässt sich daher nur sagen, dass die Gehirne der Experten auf ihre jeweilige Spezialität besonders fein abgestimmt zu sein schienen.

Ebenso schwierig ist es, mit einer einmaligen Studie dieser Art Ursache und Wirkung nachzuweisen, da die Teilnehmenden nicht über längere Zeit begleitet wurden. Möglich ist, dass die Experten bereits bestimmte vorteilhafte Eigenschaften ihres Gehirns besaßen, die sie überhaupt erst zur Vogelbeobachtung geführt haben.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass jahrelange Beschäftigung mit diesem Hobby die Gehirne der Vogelbeobachter auf diese Weise geprägt hat. Die Forschenden schlagen vor, dass künftige Studien prüfen könnten, ob sich diese Optimierungen auch für andere kognitive Aufgaben außerhalb der Vogelbeobachtung nutzen lassen.

Mögliches Training gegen kognitiven Abbau

Aus verwandten Studien ist bekannt, dass das Erlernen eines Instruments oder einer neuen Sprache die Hirnstruktur verändern und möglicherweise einen Teil des natürlichen altersbedingten Abbaus hinauszögern kann. Die neue Untersuchung legt nahe, dass auch die Vogelbeobachtung verwandte Hirnregionen trainieren und potenziell vor kognitivem Abbau schützen könnte.

„Angesichts der Erkenntnisse, dass ältere Experten ihr Spezialwissen nutzen können, um die Kognition in ihrem Erfahrungsbereich zu unterstützen, werden weitere Arbeiten erforderlich sein, um aufzuklären, wie altersbedingte strukturelle Veränderungen die spezialisierte Leistung im späteren Leben beeinflussen“, schreiben die Forschenden.

Die Studie wurde in The Journal of Neuroscience veröffentlicht.

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