Neue Forschungsergebnisse zufolge nutzten 2024 acht Millionen Amerikaner den Wirkstoff Psilocybin aus sogenannten Magic Mushrooms.
Die Ergebnisse machen den Konsum von Pilzen von einem Randthema zu einem regulären medizinischen Anliegen – besonders bei Patientinnen und Patienten mit Depressionen.
Ein nationales Bild des Psilocybin-Konsums
Tausende Antworten aus der National Survey on Drug Use and Health (NSDUH), einer bundesweiten Haushaltsbefragung zum Drogenkonsum, ermöglichten Forschenden erstmals ein umfassendes nationales Bild des aktuellen Psilocybin-Konsums.
An der University of California San Diego School of Medicine grenzte ein von Dr. Kevin H. Yang geleitetes Team Psilocybin von einer weiter gefassten Drogenkategorie ab.
Die Forschenden erfassten dabei ein Muster des gegenwärtigen Konsums und keine Aufzeichnung früherer Experimentiererfahrungen.
Diese Unterscheidung ist bedeutsam, weil frühere Befragungen Personen mit einmaligem Konsum nicht von Menschen trennen konnten, die die Substanz aktuell verwenden.
Die enger gefasste Auswertung erhöhte den Nutzen der Daten für Kliniken, konnte jedoch weiterhin nicht klären, warum Menschen die Droge konsumieren.
Psilocybin-Konsum in verschiedenen Altersgruppen
Die neue Studie schätzte, dass 2.8% der US-Bevölkerung ab 12 Jahren 2024 Psilocybin konsumiert hatten. Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren war die Wahrscheinlichkeit des Konsums 1.4-mal so hoch wie bei Erwachsenen im Alter von 35 bis 49 Jahren.
Bei Menschen ab 50 Jahren lag diese Wahrscheinlichkeit etwa um ein Drittel niedriger, wodurch sich das Muster auf jüngere und Menschen mittleren Alters konzentrierte.
Diese Zahlen belegen keine Ursache zwischen den Generationen, zeigen aber, bei welchen Gruppen Ärztinnen und Ärzte eher mit Angaben zum Konsum rechnen können.
Gruppen mit häufiger berichteten Konsum
Demografische Muster verdeutlichten das Bild, indem sie aufzeigten, welche Gruppen einen häufigeren Konsum angaben, nachdem die Forschenden weitere Merkmale gewichtet hatten.
Bei Männern war die Wahrscheinlichkeit eines Konsums 1.7-mal höher als bei Frauen; weiße Befragte meldeten zudem höhere Wahrscheinlichkeiten als schwarze und hispanische Befragte.
Auch Erwachsene mit Hochschulbildung fielen auf: Bei Personen mit Hochschul- oder Postgraduiertenabschluss war die Wahrscheinlichkeit 2.6-mal so hoch wie bei Menschen ohne Highschool-Abschluss.
Diese Unterschiede weisen auf Differenzen bei Zugang, Kultur und Berichterstattung hin, nicht auf eine einfache Erklärung durch Biologie oder persönlichen Charakter.
Substanzen, die mit Psilocybin zusammen auftraten
Die Muster des Drogenkonsums ließen Psilocybin weniger isoliert erscheinen und stärker mit einem breiteren Experimentieren im selben Jahr verbunden.
Cannabiskonsum ging mit einer 13.6-mal höheren Wahrscheinlichkeit für Psilocybin-Konsum einher, was den häufigen gemeinsamen Gebrauch im Jahr 2024 widerspiegelt.
Auch andere Psychedelika – Substanzen, die die Wahrnehmung stark verändern – traten gehäuft zusammen mit Psilocybin auf, darunter LSD, MDMA und Ketamin.
Für Ärztinnen und Ärzte spricht diese Häufung dafür, den Substanzkonsum umfassender abzufragen, statt nur eine eng gefasste Frage zu Pilzen zu stellen.
Depressionen erhöhten die Bedeutung
Psychische Gesundheit machte das Muster schwerer zu übersehen, da Depressionen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Psilocybin-Konsum verbunden waren.
Eine schwere depressive Episode, also ein zweiwöchiger Zeitraum mit ausgeprägten depressiven Symptomen, wurde in der Befragung bei 23.1% der Konsumierenden festgestellt.
Dieser Zusammenhang könnte auf Selbstbehandlung, belastende Erfahrungen nach dem Konsum oder gemeinsame Risikofaktoren zurückgehen, die sich mit der Erhebung nicht auseinanderhalten ließen.
Diese Ungewissheit ist wichtig, weil Menschen auf der Suche nach Linderung auch anfälliger für eine negative Erfahrung bei unbeaufsichtigtem Konsum sein können.
Die Rolle der klinischen Versorgung
In überwachten Studien wurde Psilocybin mit Vorbereitung, kontrollierter Dosierung und anschließender Therapie kombiniert, anstatt Menschen mit der Substanz allein zu lassen.
In einer größeren Studie half eine einzelne Dosis einigen Patientinnen und Patienten, deren Depression sich durch die übliche Behandlung nicht gebessert hatte; Nebenwirkungen mussten dennoch überwacht werden.
Während der Behandlung kann Psilocybin die Serotonin-Signalübertragung beeinflussen – eine für die Stimmung relevante chemische Kommunikation – und mit gängigen Antidepressiva wechselwirken.
Diese Art der Unterstützung fehlt häufig, wenn Menschen die Substanz außerhalb einer klinischen Versorgung verwenden, selbst wenn sie Linderung von realem Leid suchen.
Risiken außerhalb klinischer Einrichtungen
Außerhalb von Kliniken kann derselbe Wirkstoff andere Risiken bergen, da Dosierung, Umfeld und Unterstützung jedes Mal unterschiedlich sein können.
Menschen berichteten von Angst, Paranoia und Belastungen, die über die unmittelbare Wirkung der Droge hinaus andauerten.
„Wenn Psilocybin außerhalb eines klinischen Umfelds verwendet wird, sehen die Risiken sehr anders aus“, sagte Yang.
Diese Warnung hebt die Studienergebnisse nicht auf, trennt jedoch medizinische Forschung von unvorhersehbarem, selbstgesteuertem Konsum.
Die Gesetze ändern sich
Politische Veränderungen rückten Psilocybin stärker in die Öffentlichkeit, noch bevor eine bundesweite Zulassung für die medizinische Anwendung vorlag.
Oregon schuf ein Psilocybin-Dienstleistungsprogramm, ein staatlich reguliertes System für überwachte Sitzungen Erwachsener, das 2023 mit der Lizenzierung von Zentren begann.
In mehreren Regionen veränderten zudem Kampagnen zur Entkriminalisierung die öffentliche Diskussion über den Konsum von Pilzen.
Rechtliche Änderungen können die Bestrafung verringern, machen unbeaufsichtigte Dosierungen jedoch nicht für jede Person klinisch sicher.
Studiengrenzen und künftige Forschung
In der Routineversorgung könnte nun eine direkte Frage nach Psilocybin-Konsum nötig sein, doch die Befragung kann weder Ursache noch zeitliche Abfolge feststellen.
Als Momentaufnahme lässt sie nicht erkennen, ob der Konsum vor oder nach einer Depression erfolgte.
Selbstauskünfte, eine Gesamtrücklaufquote von 11.3% sowie fehlende Angaben zu Dosierung oder Umfeld begrenzten die Aussagekraft.
Eine bessere Erfassung kann zeigen, ob Menschen Psilocybin zur Linderung, zur Freizeitgestaltung oder aus beiden Gründen nutzen, während Ärztinnen und Ärzte erkennen, wo sich Risiken bündeln.
Eindeutigere Evidenz kann helfen, vielversprechende klinische Versorgung von Konsumformen zu unterscheiden, bei denen praxisnahe Empfehlungen zur Schadensminderung erforderlich sind.
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