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Fermentierte Stevia könnte bei Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen

Ein Wissenschaftler im Labor hält ein rundes Gefäß mit gelber Flüssigkeit, Bildschirm zeigt Organdiagramm.

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ausgerechnet unscheinbare Bakterien aus der Küche und eine Pflanze, die vor allem zum Süßen von Tee bekannt ist, künftig bei der Behandlung einer der tödlichsten Krankheiten der Menschheit helfen könnten: Krebs.

Ein Forschungsteam in Japan hat herausgefunden, dass fermentierte Stevia – eine Pflanze, die häufig als kalorienfreies Süßungsmittel verwendet wird – interessante krebshemmende Eigenschaften besitzen könnte. Die Ergebnisse befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium und erfordern umfangreiche weitere Untersuchungen. Dennoch weisen sie auf eine mögliche spätere Rolle von Stevia im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs hin.

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt weiterhin zu den am schwierigsten behandelbaren Krebsarten. Beschwerden treten meist erst auf, wenn sich die Erkrankung bereits ausgebreitet hat, und herkömmliche Behandlungen wie eine Chemotherapie führen nur selten zu einer Heilung. Die Prognose ist düster: Weniger als 10 % der Betroffenen leben fünf Jahre nach der Diagnose noch.

Der dringende Bedarf an wirksameren und weniger toxischen Therapien hat Forschende dazu veranlasst, pflanzliche Wirkstoffe genauer zu untersuchen. Viele heute eingesetzte Chemotherapeutika stammen bereits aus botanischen Quellen. Dazu gehören Paclitaxel aus der Rinde der Pazifischen Eibe und Vincristin aus dem Madagaskar-Immergrün. Sie zeigen, dass Pflanzen ein bewährter Ausgangspunkt für die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs sein können.

Stevia ist eine ursprünglich aus Südamerika stammende Blattpflanze, die vor allem wegen ihrer natürlichen Süßkraft bekannt ist. Sie gehört zum gewohnten Angebot in Supermärkten, doch nur wenige Menschen betrachten sie als Heilpflanze.

Die Blätter von Stevia enthalten viele bioaktive Verbindungen. Einige davon zeigten in früheren Studien Hinweise auf krebshemmende und antioxidative Wirkungen. Bislang bestand die Schwierigkeit jedoch darin, dieses Potenzial nutzbar zu machen: Nicht fermentierte Steviaextrakte wirken unter Laborbedingungen nur schwach und müssen häufig in hohen Dosen eingesetzt werden, um Krebszellen zu beeinflussen.

Fermentierte Stevia gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Hier kommt die Fermentation ins Spiel. Sie wird zur Herstellung von Joghurt, Kimchi und Sauerteigbrot genutzt, ist aber weit mehr als eine Küchentechnik. Dabei handelt es sich um eine Art mikrobielle Umwandlung, bei der Pflanzenstoffe in neue bioaktive Moleküle verwandelt werden können.

Forschende der Universität Hiroshima stellten eine einfache, aber innovative Frage: Was geschieht, wenn Stevia mit den passenden Bakterien fermentiert wird? Sie nutzten dafür einen Stamm namens Lactobacillus plantarum SN13T, der mit Bakterien verwandt ist, die häufig in fermentierten Lebensmitteln vorkommen. Durch die Fermentation entstand eine Verbindung namens Chlorogensäuremethylester (CAME), die deutlich stärkere krebshemmende Effekte zeigte als unbehandelter Steviaextrakt.

In Labortests führte der fermentierte Steviaextrakt dazu, dass Bauchspeicheldrüsenkrebszellen in großer Zahl abstarben, während gesunde Nierenzellen weitgehend unbeeinträchtigt blieben. Weitere Analysen ergaben, dass CAME für diesen Effekt verantwortlich war. Der Stoff blockierte Krebszellen in einer bestimmten Phase ihres Lebenszyklus, verhinderte damit ihre Vermehrung und löste zugleich die Apoptose aus – einen natürlichen Vorgang, bei dem sich geschädigte oder nicht mehr benötigte Zellen selbst zerstören.

Offenbar verändert CAME die genetische Programmierung von Krebszellen. Es aktiviert Gene, die den Zelltod fördern, und unterdrückt gleichzeitig Gene, welche das Wachstum und Überleben der Krebszellen unterstützen. Dieser doppelte Effekt verlangsamt sowohl das Fortschreiten des Krebses als auch die Selbstzerstörung bösartiger Zellen.

Die Wirkung der Fermentation

Der fermentierte Steviaextrakt erwies sich außerdem als stärkeres Antioxidans als seine nicht fermentierte Variante. Oxidativer Stress – ein Ungleichgewicht potenziell schädlicher Moleküle, der sogenannten freien Radikale, im Körper – wird mit Krebs und anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Indem der fermentierte Extrakt diese freien Radikale wirksamer neutralisieren könnte, bietet er möglicherweise einen zusätzlichen Schutz für gesunde Zellen.

Dies ist nicht das erste Beispiel dafür, dass Fermentation verborgene Vorteile erschließen kann. Bei fermentiertem Soja und Ginseng wurden bereits stärkere gesundheitsfördernde Eigenschaften festgestellt als bei den unverarbeiteten Formen.

Die Ergebnisse zu Stevia stechen jedoch wegen der Selektivität der Verbindung hervor. Krebszellen abzutöten und gesunde Zellen gleichzeitig zu schonen, gilt für die Krebsforschung als das wichtigste Ziel.

Wichtig ist, dass diese Resultate aus Untersuchungen an im Labor gezüchteten Zellen stammen und nicht aus Tier- oder Humanstudien. Viele Substanzen, die in Petrischalen vielversprechend wirken, scheitern aufgrund der Komplexität des menschlichen Körpers in klinischen Studien. Dennoch ist die Entdeckung spannend und rechtfertigt weitere Forschung.

Mikrobielle Biotransformation als Ansatz für neue Medikamente

Die Studie unterstreicht das Potenzial alltäglicher Lebensmittel und ihrer natürlichen Mikroorganismen als bislang ungenutzte Quellen für neue Arzneimittel. Zugleich spiegelt sie das wachsende Interesse an der „mikrobiellen Biotransformation“ wider – dem Einsatz nützlicher Bakterien, um aus Pflanzen leistungsfähige Verbindungen zu erzeugen.

Im Fall von Stevia hat sich die einfache Suche nach einem natürlichen Süßungsmittel zu etwas entwickelt, das weitaus tiefgreifender sein könnte: zu einem möglichen Schritt in Richtung einer natürlichen, gezielten und kostengünstigen Krebstherapie.

Justin Stebbing, Professor für biomedizinische Wissenschaften, Anglia Ruskin University

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut von The Conversation veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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