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Größte Psychedelika-Gehirnstudie zeigt, wie Psilocybin Menschen mit der Existenz vereint

Mann liegt im MRT-Scanner, Arzt blickt auf Monitor mit 3D-Abbildung des menschlichen Gehirns.

Psychedelika gewinnen klinisch zunehmend an Bedeutung. Eine Reihe neuerer Forschungsarbeiten hat die Wirkungen von Psilocybin immer genauer untersucht und gezeigt, dass die Substanz anhaltende, bedeutsame Veränderungen der Hirnaktivität hinterlassen kann.

Psilocybin, der psychoaktive Hauptwirkstoff in „Magic Mushrooms“, soll die Plastizität des Gehirns fördern. Dabei werden möglicherweise neuronale Verbindungen und Signalwege neu geordnet, was ansonsten festgefahrene mentale Zustände verändern könnte.

Tatsächlich berichten einige Konsumierende von einem intensiveren Gefühl universeller Eingebundenheit: Raum, Zeit und Selbstgefühl scheinen sich aufzulösen und miteinander zu verbinden – die eigene Identität verschmilzt gewissermaßen mit dem kosmischen Umfeld.

Falls das etwas chaotisch klingt, teilen manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Einschätzung.

Die durch Psilocybin ausgelösten Veränderungen im Gehirn galten bislang überwiegend als ungeordnet und entropisch. Einige Hirnnetzwerke wechseln demnach – zumindest vorübergehend – von einem geordneten, starren Zustand in einen ungeordneteren und flexibleren.

Doch diese scheinbare Unordnung erzählt nicht die ganze Geschichte. Das legt die bislang größte an einem einzelnen Standort durchgeführte Studie zum psychedelischen Gehirn nahe, die soeben in Nature erschienen ist.

„Wir haben innerhalb dieser Störung eine verborgene Ordnung entdeckt“, erläutert Devon Stoliker, Neurowissenschaftler und Forscher zum Bewusstsein an der Monash University in Australien sowie Erstautor der Studie.

„Unter Psilocybin wurden Hirnnetzwerke, die uns helfen, unsere innere Welt und die Welt um uns herum zu verarbeiten, weniger klar voneinander abgegrenzt, organisierten sich jedoch zu Mustern um, die widerspiegelten, was Menschen erlebten.“

„Am stärksten zeigte sich dies bei Menschen, die positivere psychedelische Erfahrungen hatten und sich weniger von ihrer Umwelt getrennt fühlten.“

Illustration eines psychedelisch gefärbten Pilzes und der Molekülstruktur von Psilocybin

Das psychedelische Psilocybin-Molekül wurde ursprünglich aus Pilzarten gewonnen. (Kateryna Kon/Science Photo Library/Getty Images)

Psilocybin und die verborgene Ordnung im Gehirn

In einer fünfjährigen Untersuchung an der Monash University erforschte das Team mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT), Elektroenzephalografie (EEG), Modellen des maschinellen Lernens und Fragebögen, wie der Geist nach einer Psilocybin-Dosis auf natürliche Weise reagiert.

An der Studie nahmen 62 gesunde Erwachsene teil, die zuvor keine Erfahrungen mit Psychedelika hatten. Ihre Gehirne wurden vor und nach der Psilocybin-Behandlung untersucht, während sie ruhten, meditierten, Musik hörten oder einen stummen Film mit ziehenden Wolken ansahen.

Indem die Forschenden Signale des Blutsauerstoffgehalts in verschiedenen Hirnregionen kartierten, stellten sie einen Rückgang der funktionellen Modularität fest – also der üblichen Aufteilung der Hirnaktivität in klar getrennte Netzwerke.

Als zentraler Vermittler erscheint dabei das Default-Mode-Netzwerk (DMN), ein Verbund von Hirnregionen.

Das DMN ähnelt einer neurologischen Flugsicherung: Es führt Informationen aus unterschiedlichen Hirnbereichen zusammen, welche abstrakte Konzepte wie Raum, Zeit und Identität verarbeiten. Besonders aktiv ist es beim Tagträumen und bei der Selbstreflexion.

Psilocybin scheint die Grenzen zwischen Hirnnetzwerken aufzulockern und dadurch neue neurologische Wechselwirkungen zu ermöglichen.

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Das Psychedelikum könnte somit einen Hirngradienten verändern, der das introspektive DMN und das nach außen gerichtete visuelle Netzwerk umfasst, das für die Verarbeitung des Gesehenen zuständig ist. Dies könnte einen Wechsel zwischen innerer und äußerer Aufmerksamkeit erleichtern.

Kontext beeinflusst die Psilocybin-Erfahrung

Unter den Versuchsbedingungen schien das Hören „ätherischer“ Musik die stärkste globale Organisation des Gehirns hervorzurufen.

Wenn die Teilnehmenden einen Film sahen, waren die Effekte dagegen abgeschwächt. Im Vergleich zu Situationen mit geschlossenen Augen – beim Ruhen, Meditieren oder Musikhören – wurden die neuronalen Netzwerke weniger stark verändert.

Anders gesagt: Die zusätzlichen visuellen Reize beeinflussten ihre psychedelische Erfahrung.

„Dies zeigt, dass der Kontext nicht bloß den Hintergrund der psychedelischen Erfahrung bildet. Was eine Person tut und worauf sie ihre Aufmerksamkeit richtet, prägt die Reaktion ihres Gehirns“, erklärt Adeel Razi, rechnergestützter Neurowissenschaftler an der Monash University und leitender Autor der Studie.

„Für die Behandlung unterstreicht das, weshalb die Umgebung sowie das, was eine Person während der psychedelischen Sitzung tut und erlebt, wichtig sind.“

Veränderungen der effektiven Konnektivität durch eine Psilocybin-Therapie

Die Forschenden nutzten maschinelles Lernen, um Veränderungen der Hirnvernetzung nach einer Psilocybin-Behandlung zu kartieren. Je nachdem, was die Teilnehmenden gerade taten, zeigten sich unterschiedliche Muster. (Stoliker et al., Nature, 2026)

Die Forschenden heben die Bedeutung eines Zustands hervor, den sie „Embeddedness“ nennen: „eine wahrnehmungsbezogene und kognitive Erkenntnis, Teil eines einheitlichen Ganzen zu sein.“

Psilocybin scheint ein Gefühl der Verbundenheit mit der Welt und der Umgebung zu erzeugen. Dieser möglicherweise wesentliche therapeutische Aspekt könnte helfen, existenzielle Belastungen abzubauen, die aus dem Empfinden von Getrenntsein entstehen – ganz ohne Halluzinationen.

Darüber hinaus vermuten die Forschenden, dass Erfahrungen wie die Auflösung des eigenen Selbstgefühls und das Verschwimmen existenzieller Grenzen entscheidende Triebkräfte hinter den beobachteten Wirkungen von Psilocybin sein könnten.

„Menschen, die eine starke Reorganisation zeigten, berichteten am folgenden Tag auch von größeren positiven psychologischen Veränderungen“, sagt Stoliker. Er weist darauf hin, dass diese Differenzierung in früheren Studien mit Hirnbildgebung möglicherweise nicht sichtbar war, weil diese durchschnittliche Effekte über Gruppen hinweg erfasst haben könnten.

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Grenzen der Studie und therapeutisches Potenzial

Wichtig ist, dass die Studie gesunde Erwachsene und keine Patientinnen oder Patienten einschloss. Zudem war sie offen angelegt, es gab also keine Placebo-Gruppe.

Trotzdem könnten die Ergebnisse Strategien der psychedelikabasierten Gesundheitsversorgung verbessern.

Studien haben ergeben, dass Psilocybin die Symptome einer Depression über Monate lindern kann – und zwar bereits nach einer einzigen Dosis. Solche Befunde veranlassten Australien dazu, 2023 den Einsatz von Psilocybin als verschreibungspflichtige Therapie für behandlungsresistente Depressionen zu legalisieren; zugleich wurde die MDMA-Therapie bei PTBS zugelassen.

Auch andere therapeutische Möglichkeiten wirken vielversprechend. Tiermodelle deuten etwa darauf hin, dass Psilocybin eine Behandlungsoption bei Anorexia nervosa sein könnte, doch dafür sind Studien mit Menschen erforderlich.

Wie klinische Studien zeigen, spricht jedoch nicht jede Person in gleicher Weise auf diese vielversprechenden psychedelischen Therapien an.

Weiterführend: Hohe Psilocybin-Dosis zeigt bemerkenswerte Wirkung bei älterem Demenzpatienten

Die jüngsten Ergebnisse der Monash-Studie liefern eine mögliche Erklärung dafür, weshalb manche Menschen stärker von psychedelisch unterstützter Therapie profitieren als andere. Zugleich könnten sie einen Weg eröffnen, diese Unterschiede zu messen.

„Der Befund, dass die Organisation der Hirnaktivität mit der transformativen Qualität subjektiver Erfahrung einhergeht, trägt dazu bei zu erklären, wie der psychedelische Zustand in psychologische Veränderung übergeht“, schlussfolgern die Forschenden.

Falls sich diese Messgrößen aus Hirnscans auf Patientinnen und Patienten übertragen lassen, fügt Razi hinzu, „könnte dies letztlich Klinikern helfen zu verstehen, wie jemand reagiert, und vorherzusagen, wer mit der größten Wahrscheinlichkeit profitiert.“

Diese Forschung wurde in Nature veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde von Clare Watson auf Fakten geprüft und von Clare Watson redigiert. Wir sind stolz auf unseren Prozess, doch auch wir sind nur Menschen. Falls Sie einen Fehler entdecken, teilen Sie ihn uns bitte mit.

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