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Talfieber in Kalifornien: Warum die Fälle deutlich zunehmen

Frau mit Maske wandert auf staubigem Weg durch trockenes Grasland mit Hügeln und Gebäuden im Hintergrund.

Mit der fortschreitenden Erwärmung des Klimas erlebt der Südwesten der USA immer häufiger abrupte Wetterumschwünge: Auf Dürren folgen Überschwemmungen – und umgekehrt. Dadurch rücken auch wenig bekannte Infektionskrankheiten wie das Talfieber stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit.

Im Mai 2024 besuchten rund 20.000 Menschen ein Musikfestival am Buena Vista Lake in Kalifornien. In den darauffolgenden Monaten erkrankten mindestens 19 Personen an Talfieber; acht von ihnen mussten wegen der Infektion im Krankenhaus behandelt werden.

Dieser Ausbruch folgt auf einen drastischen Anstieg der Talfieberinfektionen in Kalifornien um mehr als 800 Prozent zwischen 2000 und 2018.

2023 verzeichnete Kalifornien mit mehr als 9.000 landesweit gemeldeten Fällen die zweithöchste Zahl an Talfieberfällen seit Beginn der Aufzeichnungen. Von April 2023 bis März 2024 meldete der Bundesstaat vorläufig 10.593 Fälle – 40 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

The Conversation US bat Jennifer Head, Simon Camponuri und Alexandra Heaney – Forschende mit Schwerpunkt auf der Epidemiologie des Talfiebers –, zu erläutern, was Talfieber ist und welche Gründe den Anstieg der vergangenen Jahre erklären könnten.

Was ist Talfieber und wie kommt es zur Infektion?

Talfieber ist die gebräuchliche Bezeichnung für eine Erkrankung namens Kokzidioidomykose. Ausgelöst wird sie durch krankheitserregende Pilze der Gattung Coccidioides. Diese Pilze kommen vor allem in trockenen Böden des Südwestens der Vereinigten Staaten sowie in Teilen Mittel- und Südamerikas vor.

Stehen dem Pilz Feuchtigkeit und Nährstoffe zur Verfügung, bildet er im Boden lange, verzweigte Pilzfäden. Trocknet der Boden aus, zerfallen diese Fäden in Pilzsporen. Werden die Böden etwa durch Wind oder Grabungsarbeiten bewegt, können die Sporen in die Luft gelangen. Eingeatmete Sporen können anschliessend eine Atemwegsinfektion verursachen.

Die meisten Talfieberfälle treten gewöhnlich im südlichen San Joaquin Valley in Kalifornien und im Süden Arizonas auf. Zunehmend werden jedoch auch ausserhalb dieser Gebiete Fälle registriert.

Von 2000 bis 2018 stieg die Häufigkeit der Talfieberfälle im nördlichen San Joaquin Valley auf das Fünfzehnfache und entlang der südkalifornischen Küste auf das Achtfache. An der zentralen Küste nahm sie zwischen 2014 und 2018 um mehr als das Achtfache zu.

Aufgrund dieser Entwicklung und der Virulenz des Erregers steht Talfieber auf der Prioritätenliste der Weltgesundheitsorganisation. Pilzinfektionen erhielten in der Vergangenheit nur sehr wenig Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel. Mit dieser Liste will die WHO Massnahmen für die aufgeführten Erreger anstossen, darunter mehr Ressourcen für die Forschung und die Entwicklung neuer Therapien.

Symptome des Talfiebers: Worauf Menschen achten sollten

Nach dem Einatmen von Pilzsporen aus der Umwelt befällt Coccidioides zunächst die Lunge. Dabei können Beschwerden wie leichter bis starker Husten, Fieber, Atemnot, Brustschmerzen und Erschöpfung auftreten.

Da die Symptome des Talfiebers denen anderer verbreiteter Atemwegsinfektionen ähneln können, sollten Menschen bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Dies gilt besonders, wenn sie Antibiotika erhalten haben, auf die sie nicht ansprechen.

In Kalifornien und Arizona wird schätzungsweise ein Drittel der ambulant erworbenen Lungenentzündungen – also Lungenentzündungen, die ausserhalb eines Krankenhauses entstehen – durch Talfieber verursacht. Dennoch wird nur bei einem Teil dieser Fälle auf die Erkrankung getestet, weshalb die tatsächliche Zahl der Talfieberfälle vermutlich deutlich höher liegt. Bei der Hälfte der diagnostizierten Fälle bestanden die Symptome bereits zwei Monate oder länger, bevor die Diagnose gestellt wurde.

In 5 bis 10 Prozent der Fälle kann sich der Pilz von der Lunge in andere Körperbereiche ausbreiten, etwa in das zentrale Nervensystem, die Leber oder die Knochen. Dadurch können eine Hirnhautentzündung oder arthritisähnliche Beschwerden entstehen. Solche Verläufe können schwerwiegend und möglicherweise tödlich sein.

Antimykotische Behandlungen sind verfügbar. Eine frühe Diagnose und Behandlung sind entscheidend für bessere Behandlungsergebnisse.

Zu welcher Jahreszeit ist das Risiko am höchsten?

Talfieberfälle können das ganze Jahr über auftreten. In Kalifornien nehmen die über Überwachungssysteme gemeldeten Fälle jedoch meist ab August und September zu, erreichen im November ihren Höchststand und kehren im Januar und Februar auf das übliche Niveau zurück.

Forschende gehen davon aus, dass Patientinnen und Patienten dem Pilz wahrscheinlich im Sommer und Frühherbst ausgesetzt sind, meist ein bis drei Monate vor der Diagnose. Diese Verzögerung umfasst die Zeit zwischen der Exposition, dem Auftreten von Symptomen und der Diagnosestellung. Zwar liegt der saisonale Höhepunkt im Durchschnitt im Herbst, doch Stärke und Zeitpunkt unterscheiden sich je nach Region.

Unsere Forschung zeigt, dass dieser saisonale Anstieg im Herbst besonders ausgeprägt ist, wenn die vorangegangenen Winter niederschlagsreich waren. Zudem steht der Wechsel zwischen trockenen und feuchten Bedingungen mit einer höheren Fallhäufigkeit in den Herbstmonaten in Zusammenhang.

Nach den niederschlagsreichen Wintern, die ein und zwei Jahre nach den Dürren von 2007-2009 und 2012-2015 auftraten, verdoppelte sich die Zahl der Talfieberfälle in Kalifornien nahezu.

Eine vergleichbare Entwicklung erlebte Kalifornien 2023: Auf eine extreme Dürre von 2020-2022 folgten im Winter 2022-2023 starke Niederschläge.

Anschliessend kam es 2023 zu einem beinahe rekordhohen Anstieg der Fälle. Auch während der Regenzeit 2023-2024 erlebte der Bundesstaat einen feuchten Winter, was die Sorge vor einem weiterhin hohen Talfieberrisiko im Jahr 2024 verstärkte.

Unser Forschungsteam hat kürzlich ein Modell entwickelt, das Talfieberfälle in Kalifornien zwischen April 2024 und März 2025 vorhersagen soll. Nach unserer Prognose dürfte der Bundesstaat im Herbst und Winter 2024 einen weiteren Fallanstieg erleben, der dem Anstieg von 2023 entspricht.

In Phasen mit hohem Risiko sollten Ärztinnen und Ärzte Talfieber als mögliche Diagnose berücksichtigen. Das gilt insbesondere bei Personen mit Talfiebersymptomen oder einer Atemwegserkrankung, die in einer endemischen oder neu betroffenen Region leben, arbeiten oder dorthin gereist sind.

Derzeit untersuchen wir auch die saisonalen Krankheitsmuster in Arizona, die sich von jenen in Kalifornien unterscheiden. Ein wahrscheinlicher Grund dafür ist, dass Arizona zwei Regenzeiten hat.

Haben bestimmte Menschen ein höheres Risiko?

Menschen, die sich in Gebieten mit häufigem Talfieber im Freien aufhalten oder dort arbeiten, haben ein höheres Infektionsrisiko – insbesondere, wenn sie Erde und Staub ausgesetzt sein können.

Auch gesunde Menschen können sich infizieren. Bestimmte Faktoren erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs durch Talfieber. Dazu zählen ein Alter von 60 Jahren oder mehr, Diabetes, HIV oder andere Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, sowie eine Schwangerschaft.

Bei schwarzen Menschen und Menschen philippinischer Herkunft wurde ebenfalls ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe festgestellt. Dies könnte mit einer stärkeren Exposition gegenüber Pilzsporen, bestehenden gesundheitlichen Belastungen, Ungleichheiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung oder anderen möglichen Veranlagungen zusammenhängen.

Wie lässt sich eine Infektion mit Talfieber vermeiden?

Menschen, die in Regionen leben oder arbeiten, in denen der Pilz vorkommt, sollten Staub möglichst meiden. Bei Wind und staubiger Luft ist es ratsam, in Innenräumen zu bleiben sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Beim Durchqueren staubiger Gebiete mit dem Auto sollte die Geschwindigkeit reduziert, die Fenster geschlossen und – wenn möglich – die Umluftfunktion eingeschaltet werden. Bei Arbeiten im Freien helfen Massnahmen zur Staubbindung, etwa das Befeuchten des Bodens vor dem Graben, damit kein Staub aufgewirbelt wird. Wo möglich, können zudem Zäune, Windschutzanlagen und Bepflanzungen installiert werden.

Wer Erde unmittelbar aufwirbeln muss oder staubigen Bedingungen ausgesetzt ist, etwa bei Bau- oder Gartenarbeiten, sollte das Tragen einer N95-Maske in Erwägung ziehen, um weniger Staub einzuatmen.

Jennifer Head, Assistenzprofessorin für Epidemiologie an der University of Michigan; Alexandra K. Heaney, Assistenzprofessorin für Klima- und Gesundheitsepidemiologie an der University of California, San Diego; und Simon Camponuri, Doktorand für Umweltgesundheitswissenschaften an der University of California, Berkeley

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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