Für alle, zu deren Sommern in der Kindheit das jährliche Abschälen sonnenverbrannter Haut gehörte, stellt sich eine unangenehme Frage: Haben diese wiederholten Verbrennungen die Haut dauerhaft geschädigt?
Eine in JAMA Dermatology veröffentlichte Metaanalyse legt nahe, dass dies wahrscheinlich der Fall ist.
Sonnenbrand und das Risiko für Plattenepithelkarzinome der Haut
In 17 Studien mit mehr als 321.000 Menschen zeigten Personen, die schmerzhafte, blasige oder schwere Sonnenbrände erlebt hatten, eine höhere Wahrscheinlichkeit, ein kutanes Plattenepithelkarzinom (cSCC) zu entwickeln. Dabei handelt es sich um eine der häufigsten Formen von Hautkrebs.
Die Forschenden durchsuchten Tausende veröffentlichte Studien und fassten die Daten aus 17 davon für ihre Auswertung zusammen. Bei Menschen mit einer mittleren Häufigkeit schmerzhafter, blasiger oder schwerer Sonnenbrände im Laufe ihres Lebens war die Wahrscheinlichkeit für cSCC um 51 Prozent höher als bei Personen ohne eine solche Vorgeschichte.
Bei Menschen mit einer hohen Häufigkeit lag diese Wahrscheinlichkeit um 69 Prozent höher.
Fachleute des University of Rochester Medical Center in New York bezeichnen solche Verbrennungen als „lebensverändernde Sonnenbrände“, weil die durch UV-Strahlung verursachten DNA-Schäden in Hautzellen lebenslange Folgen haben können.
Lässt das Brennen eines Sonnenbrands nach, mag das zwar Erleichterung verschaffen – die Schäden an der DNA bleiben jedoch bestehen.
„Wenn der Körper diese Schäden repariert, können dabei manchmal Fehler passieren“, erklärte Adrienne Victor, Onkologin am Wilmot Cancer Institute der University of Rochester, die nicht an der Analyse beteiligt war, in einer aktuellen Mitteilung.
„Im Lauf der Zeit können sich diese Mutationen ansammeln und zur Entstehung von Hautkrebs beitragen.“
Die 2025 veröffentlichte Metaanalyse stammt vom Dermatologen Isaac Weber und seinen Kolleginnen und Kollegen am University of Texas MD Anderson Cancer Center sowie weiteren US-Instituten.
„Obwohl die Rolle der UV-Exposition bei cSCC gut belegt ist, bleibt der spezifische Effekt von Sonnenbränden weniger eindeutig“, schrieben Weber und sein Team. Ein Grund dafür dürfte sein, dass sich die Auswirkungen vergangener Sonnenbrände Jahrzehnte später nur schwer erfassen lassen.
„Die Trennung chronischer UV-Exposition von Sonnenbränden ist wegen möglicher Überschneidungen schwierig – Menschen mit mehr Sonnenbränden könnten auch einer stärkeren chronischen Exposition ausgesetzt sein.“
Soweit möglich verwendeten die Forschenden Daten, die bereits nach Alter, Geschlecht, Hautfarbe und Hautempfindlichkeit angepasst worden waren.
Auffällig war, dass häufige schwere Sonnenbrände in der Kindheit mit einem erhöhten cSCC-Risiko verbunden waren – die Wahrscheinlichkeit konnte sich bis auf das Dreifache erhöhen. Selbst einige wenige starke Sonnenbrände schienen das cSCC-Risiko zu steigern.
Warum Sonnenbrände in der Kindheit besonders wichtig sind
Die Evidenzsicherheit blieb zwar gering, unter anderem weil die Daten darauf beruhten, dass Menschen sich an ihre früheren Sonnenbrände erinnerten. Dennoch folgerten Weber und seine Kolleginnen und Kollegen, dass ihre Ergebnisse die Bedeutung wirksamer Strategien zur Vorbeugung von Sonnenbrand unterstreichen – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
Die Dermatologin Jinia El-Feghaly teilte diese Empfehlung in der Mitteilung der University of Rochester.
„Kinder sind aufgrund mehrerer Risikofaktoren anfälliger, darunter die Biologie ihrer pigmentbildenden Hautzellen, die höhere Wahrscheinlichkeit von Sonnenexposition und die unregelmäßige Anwendung von Sonnenschutz“, erklärte sie.
Frühere Metaanalysen zu anderen Hautkrebsarten und Sonnenbrandvorgeschichten kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Je mehr schwere Sonnenbrände in der Kindheit, pro Jahrzehnt oder im Laufe des Lebens auftraten, desto größer war beispielsweise das Risiko für ein Melanom oder ein Basalzellkarzinom.
Im Kern summieren sich die Schäden. Häufige schwere Sonnenbrände sind gefährlich; sie zu vermeiden, kann daher vermutlich wesentlich dazu beitragen, das Hautkrebsrisiko zu senken.

Die Fitzpatrick-Skala klassifiziert Hauttypen danach, wie leicht sie verbrennen. Hautkrebs kann jedoch bei jedem Hauttyp auftreten. (University of Rochester Medical Center)
So beunruhigend diese Daten auch sein mögen, sie erzählen nicht die ganze Geschichte.
UV-Strahlung ist ein bekanntes Karzinogen, und die Sonnenexposition über das gesamte Leben beeinflusst die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung tatsächlich erheblich. Daneben gibt es jedoch weitere wichtige Faktoren.
Auch die Genetik spielt eine Rolle. Hinzu kommen Lebensstilentscheidungen wie das Rauchen von Zigaretten, die zum Hautkrebsrisiko beitragen können.
Zum kostenlosen, faktengeprüften Newsletter von ScienceAlert
Auch die Nutzung von Sonnenbänken erhöht das Melanomrisiko. Eine Studie aus dem Jahr 2025 deutet darauf hin, dass regelmäßige künstliche UV-Strahlung der Haut stärker schaden könnte als Sonnenlicht.
Kurze Sonnenexposition kann möglicherweise den Vitamin-D-Spiegel erhöhen. Die Ergebnisse der jüngsten Metaanalysen zu Sonnenbrandvorgeschichten und Hautkrebsrisiko sprechen jedoch dafür, Sonnenbrände zu vermeiden, bei denen die Haut sichtbar verletzt wird.
Vergangene Sonnenbrände lassen sich zwar nicht ungeschehen machen, doch es ist möglich, keine weiteren hinzuzufügen.
Sonnenschutz gegen weitere Sonnenbrände
Sich vor übermäßiger Sonneneinstrahlung zu schützen, erfordert etwas Planung und Aufmerksamkeit. Wie die inzwischen weltweit bekannte australische Aufklärungskampagne aus den 1980er-Jahren empfiehlt: Shirt anziehen, Sonnencreme auftragen, Hut aufsetzen.
„Manche Menschen verzichten auf Sonnencreme, weil sie glauben, deren Inhaltsstoffe könnten Hautkrebs verursachen“, sagt Victor.
„Die überzeugendsten Belege weisen jedoch darauf hin, dass UV-Exposition die Hauptursache der meisten Hautkrebserkrankungen ist.“
Mehr dazu: FDA genehmigt ersten neuen Sonnencreme-Inhaltsstoff seit Jahrzehnten
Intensive Mittagssonne zu meiden und Schatten unter einem Baum oder Sonnenschirm aufzusuchen, sind weitere sinnvolle Maßnahmen, um Sonnenbrand vorzubeugen.
Die Metaanalyse wurde in JAMA Dermatology veröffentlicht.
Dieser Artikel wurde von Rachel Garner auf Fakten geprüft und von Clare Watson redigiert. Wir sind stolz auf unseren Prozess, aber auch wir sind nur Menschen. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, teilen Sie ihn uns bitte mit.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen