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Chlamydien könnten im Darm ein geheimes Versteck haben

Wissenschaftler im Labor untersucht rote Zellen in einer Petrischale vor einem Bildschirm mit Zellenabbildung.

Chlamydien könnten im menschlichen Körper über ein verborgenes Versteck verfügen, in dem sie Antibiotika entgehen.

Forschende der Universität Würzburg haben Hinweise darauf gefunden, dass der menschliche Darm eine bislang unterschätzte „natürliche Nische“ für diese sehr häufige sexuell übertragbare Infektion (STI) sein könnte.

Sollte das Team recht haben, könnte dies erklären, warum bei behandelten Patientinnen und Patienten erneute Infektionen mit Chlamydia trachomatis häufig exakt denselben Bakterienstamm betreffen.

„Es liegt daher nahe anzunehmen, dass die Bakterien im Körper eine Nische finden, in der sie zunächst nicht angreifbar sind, dort ein dauerhaftes Reservoir bilden und später wieder aktiv werden können“, erläutert der Chlamydienexperte und Mikrobiologe Thomas Rudel von der Universität Würzburg.

Chlamydien und das Risiko einer erneuten Infektion

Das wäre eine bedenkliche Aussicht: Je länger Chlamydien im Körper verbleiben, desto höher ist das Risiko für Fruchtbarkeitsprobleme und Eierstockkrebs. Häufig verursacht eine Chlamydieninfektion gar keine oder nur leichte Beschwerden, etwa Schmerzen, Ausfluss oder Juckreiz. Deshalb empfehlen Ärztinnen und Ärzte, drei Monate nach Abschluss einer Antibiotikabehandlung erneut auf die STI zu testen.

Chlamydien sind weltweit die häufigste STI. Daher ist es entscheidend, dass die Forschung wirksame Behandlungen kontinuierlich überprüft. Sollte sich im Körper tatsächlich ein verstecktes Bakterienreservoir befinden, könnte dies zu einer zunehmenden Antibiotikaresistenz führen.

Um dies genauer zu untersuchen, analysierten Rudel und seine Kolleginnen und Kollegen in Deutschland drei Organoide, also zelluläre Miniaturmodelle: eines des Magens, eines des Dünndarms und eines des Dickdarms.

Diese selbstorganisierten Ansammlungen menschlicher Zellen verfügten zwar weder über eine natürliche Mikrobiota noch über ein Immunsystem, besaßen jedoch eine Blutversorgung und konnten zeigen, wie Chlamydien Zellen des Magen-Darm-Trakts infizieren könnten.

Der Darm als mögliche natürliche Nische für Chlamydien

Letztlich stellte das Team fest, dass das Gewebe, welches die Innenseite des menschlichen Darms auskleidet, C. trachomatis wirksam abhielt. Erst wenn die dicht organisierte Zellstruktur beschädigt war, konnten die Bakterien eindringen.

Gelangen die Bakterien jedoch in den Blutkreislauf, umgehen Chlamydien nach den Ergebnissen der Forschenden wiederholt die physische Barriere des Darms und begründen eine Infektion in tiefer gelegenen Bereichen.

Dies deutet darauf hin, dass Chlamydien den Darm über das Blut sehr leicht infizieren können, über die Darmschleimhaut jedoch deutlich schwerer. Klinische Studien müssen diese Annahme nun bestätigen.

„Dies ist der erste Bericht über eine C. trachomatis-Infektion in menschlichen primären intestinalen Epithelzellen“, schreiben der leitende Autor, der Mikrobiologe Pargev Hovhannisyan, und seine Kolleginnen und Kollegen, „und stützt die Möglichkeit einer Nische für Chlamydieninfektionen im menschlichen Darmgewebe.“

Infektionen in tieferen Körperregionen

Chlamydien infizieren nachweislich eine breite Palette von Zelltypen, darunter Zellen des Gebärmutterhalses, der Harnröhre, der Hoden, des Mundes, Rachens, Anus und der Augen. Die meisten bisherigen Experimente mit den Bakterien konzentrierten sich jedoch auf Infektionen im Genitaltrakt.

Einige Studien haben allerdings die DNA von C. trachomitis in Darmbiopsien von Patientinnen und Patienten nachgewiesen. Das spricht dafür, dass die Infektion tiefer in den Körper eindringen kann als bislang angenommen.

Während C. trachomitis ein ausschließlich den Menschen befallender Erreger ist, können andere Chlamydienarten, die Wild- oder Haustiere infizieren, den Magen-Darm-Trakt erreichen – und tun dies häufig auch.

Tatsächlich überwinden Chlamydienzellen bei Mäusen, die oral mit dem menschenspezifischen Erreger infiziert werden, die Magen-Darm-Barriere und etablieren eine „lang anhaltende, nicht pathologische Besiedlung im Dickdarm“.

Nicht pathologisch bedeutet, dass die Bakterien zwar in den Zellen leben, sich aber nicht aktiv vermehren. Werden sie durch Antibiotika oder andere belastende Ereignisse bedroht, können die Mikroben zur Sicherung ihres Überlebens in einen Ruhezustand übergehen. Erst wenn die Bedingungen geeignet sind, erwachen sie wieder und können andernorts neue Infektionen auslösen.

Daher hatten einige Forschende bereits vorgeschlagen, dass der menschliche Magen-Darm-Trakt ein mögliches geheimes Versteck für anhaltende Chlamydieninfektionen sein könnte. Die neuen Experimente stützen diese Hypothese.

Als Nächstes möchte das Team untersuchen, welche Zellen im Darm besonders anfällig für eine Chlamydieninfektion sind und warum.

Die Studie wurde in PLOS Pathogens veröffentlicht.

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