Trockener Mund bei älteren Menschen ist nicht immer allein auf eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme zurückzuführen. Treten zusätzlich Probleme beim Kauen trockenerer Speisen, Geschmacksveränderungen und ein häufiges Bedürfnis auf, nachts Wasser zu trinken, kann dies auf Xerostomie hinweisen. Kennzeichnend für diese Erkrankung ist ein Trockenheitsgefühl im Mund, das mit oder ohne tatsächlich verringerte Speichelproduktion auftreten kann.
„Speichel erfüllt wichtige Aufgaben beim Schutz der Zähne und des Mundgewebes. Er sorgt für Befeuchtung, erleichtert das Kauen und Schlucken, unterstützt das Sprechen und trägt zum Gleichgewicht im Mundraum bei. Nimmt seine Menge ab oder ist seine Funktion beeinträchtigt, steigt das Risiko für Karies, Infektionen, Wunden und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme“, erklärt Flávia Vidal, Leiterin des Studiengangs Zahnmedizin an der Faculdade Anhanguera.
Ursachen für Mundtrockenheit bei älteren Menschen
Bei älteren Menschen zählt die Einnahme von Medikamenten zu den häufigsten Ursachen der Xerostomie. Arzneimittel gegen Bluthochdruck, Depressionen, Allergien, Schmerzen, Harnwegsprobleme und weitere Erkrankungen können die Bildung oder Zusammensetzung des Speichels beeinflussen. Das Risiko kann zudem steigen, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden.
Auch Dehydrierung, Mundatmung, übermässiger Alkohol- oder Koffeinkonsum können einen trockenen Mund verursachen. Ebenso kommen bestimmte Erkrankungen infrage, etwa schlecht eingestellter Diabetes oder Krankheiten, welche die Speicheldrüsen betreffen. Deshalb sollte die Beschwerde nicht einfach als unvermeidliche Folge des Älterwerdens angesehen werden.
Symptome eines trockenen Mundes lindern
Im Folgenden nennt Flávia Vidal einige Massnahmen, die helfen können, die Beschwerden eines trockenen Mundes bei älteren Menschen zu mildern.
1. Über den Tag hinweg Wasser bereithalten
Statt erst bei einsetzendem Durst zu trinken, können ältere Menschen regelmässig kleine Schlucke Wasser zu sich nehmen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gehört zu den empfohlenen Massnahmen, um die Beschwerden bei Mundtrockenheit zu verringern.
2. Die Speichelproduktion anregen
Ist noch eine Speichelproduktion vorhanden, können zuckerfreier Kaugummi oder zuckerfreie Bonbons den Speichelfluss fördern. Menschen mit besonderen Einschränkungen beim Kauen oder einem Risiko, sich zu verschlucken, sollten diese Möglichkeit nicht nutzen; die Auswahl muss die individuellen Voraussetzungen berücksichtigen.
3. Auslöser vermeiden, die die Trockenheit verstärken
Alkoholische Getränke, Tabak und ein hoher Koffeinkonsum können das Gefühl eines trockenen Mundes verschlimmern. Zudem kann es hilfreich sein, sehr trockene, harte, salzige oder scharfe Speisen zu meiden, wenn sie Beschwerden auslösen.
4. Der Mundhygiene besondere Aufmerksamkeit widmen
Weniger Speichel bedeutet auch weniger natürlichen Schutz für die Zähne. Daher muss die Mundhygiene durch sorgfältiges Zähneputzen mindestens zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta sowie durch die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume aufrechterhalten werden. Die American Dental Association (ADA) empfiehlt ausserdem, bei Personen mit erhöhtem Kariesrisiko besonders auf die Anwendung von Fluorid zu achten.
Bei anhaltenden Beschwerden zum Zahnarzt gehen
Anhaltende Mundtrockenheit sollte nicht ausschliesslich mit Wasser oder frei verkäuflichen Produkten gegen die Beschwerden behandelt werden. Der Zahnarzt kann die Mundhöhle untersuchen, einen verminderten Speichelfluss abklären und mögliche Folgen wie Karies, Entzündungen oder Infektionen feststellen. Bei der Abklärung sollten auch Medikamente und gesundheitliche Erkrankungen einbezogen werden; gegebenenfalls ist eine gemeinsame Betreuung durch weitere Fachkräfte erforderlich.
In manchen Fällen können Speichelersatzmittel, spezielle Gele oder Sprays vorübergehend Erleichterung verschaffen. Solche Produkte behandeln nicht zwingend die Ursache der Xerostomie und sollten entsprechend dem individuellen Bedarf der jeweiligen Person ausgewählt werden.
Flávia Vidal betont, dass die ärztliche Begleitung besonders für ältere Menschen wichtig ist, die mehrere Medikamente einnehmen. „Patientinnen und Patienten sollten ein Medikament, das sie als Ursache für den trockenen Mund vermuten, nicht eigenständig absetzen oder verändern. Richtig ist es, den Zahnarzt und den behandelnden Arzt darüber zu informieren, damit bei Bedarf geprüft werden kann, ob eine Anpassung der Behandlung möglich ist“, erklärt sie.
Von Luana Figueiredo
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