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Wie oft furzt der Mensch? Die australische Studie zu Blähungen

Sieben junge Menschen sitzen auf Sofas, lachen gemeinsam und schauen auf Laptop und Diagramm auf dem Tisch.

Vielleicht zählen Sie nicht mit, wie oft Ihr Darm täglich Geräusche von sich gibt. Doch australische Forschende haben genau dieses Thema untersucht. Sie erfassten die Blähungen von mehr als 6.000 Menschen und kamen dabei auf einen überraschend moderaten Durchschnittswert.

Abgesehen von wenigen Einzelfällen – etwa bei den Yanomami im Amazonasgebiet oder früher im antiken Rom – sind Blähungen kulturell weitgehend tabu. Darüber spricht man allenfalls unter Freunden oder nach dem dritten kräftigen Bier. In den meisten Gesellschaften gilt es als peinlich, unhygienisch, unhöflich oder sogar als sinnliche Zumutung, in der Öffentlichkeit einen fahren zu lassen. Eigentlich ist das schade, denn Fürze sind grundsätzlich ein Hinweis darauf, dass unser Verdauungssystem ausgezeichnet arbeitet.

Auch die Wissenschaft mied das Thema lange Zeit: In fast der gesamten medizinischen Fachliteratur kamen Darmgase nur im Zusammenhang mit Krankheiten vor. Erst seit den 2000er- und 2010er-Jahren werden sie wissenschaftlich als das betrachtet, was sie sind: natürliche Vorgänge im Körper, die sich ganz normal physiologisch untersuchen lassen. Vor diesem Hintergrund wollten zwei Forscherinnen der australischen CSIRO (Organisation für wissenschaftliche und industrielle Forschung des Commonwealth) schlicht herausfinden, wie häufig Menschen im Alltag tatsächlich Darmgase ablassen. Ihre Untersuchung erschien am 29. Mai in JAMA Network Open, einer der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften weltweit.

Blähungen im Alltag: Was die australische Studie erfasste

Für die Datenerhebung nutzten die Forscherinnen eine eigens entwickelte Smartphone-App mit dem charmanten Namen Chart Your Fart. Wörtlich ins Deutsche übertragen bedeutet das: „Verfolge deinen Furz“. Die Teilnehmenden sollten jede ihrer Darmgas-Emissionen mindestens drei Tage lang direkt zum jeweiligen Zeitpunkt dokumentieren. Insgesamt luden 19.004 Menschen die Anwendung herunter, doch nur 6.416 erfüllten die Anforderungen des Studienprotokolls und zeichneten ihre Blähungen tatsächlich über den geforderten Zeitraum auf.

Vom Winde verweht: Die grosse Bilanz der Darmgas-Emissionen

Nach der Zusammenführung aller Angaben lag der Durchschnitt bei 5 Fürzen pro Tag, der Median bei 3,8. Anders ausgedrückt: Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden, nämlich 79,3 %, kam täglich auf 2 bis 7 Darmwinde. Damit liegt der Wert deutlich am unteren Ende der in Ernährungsratgebern genannten Spanne von 5 bis 20. Männer waren etwas produktiver als Frauen, mit 5,2 gegenüber 4,8 pro Tag. Am zurückhaltendsten zeigten sich die Jüngsten im Alter von 14 bis 25 Jahren: Sie kamen auf 4,4 pro Tag.

Zwischen 18 Uhr und 22 Uhr ist der Dickdarm besonders gesprächig, was das Forschungsteam erwartet hatte. Die über den Tag gegessenen Mahlzeiten brauchen mehrere Stunden bis in diesen Darmabschnitt. Dort fermentieren Bakterien die Ballaststoffe, wodurch anschliessend Gase entstehen.

Ergebnisse mit Vorbehalt

Die Studie weist allerdings mehrere methodische Einschränkungen auf. Erstens mussten die Teilnehmenden ihre Fürze selbst eintragen und konnten daher keine nächtlichen Emissionen erfassen. Das dürfte den ermittelten Durchschnitt naturgemäss senken.

Zweitens sahen ein Tag ohne jeglichen Eintrag und ein Tag ohne tatsächliche Blähungen in den Daten gleich aus. Die Spuren – ohne Wortspiel – eines vergessenen Eintrags liessen sich nicht von denen eines wirklich stillen Darms unterscheiden. Daher lässt sich nicht feststellen, ob der tatsächliche Durchschnitt unter dem berechneten Wert liegt.

Schliesslich war die Gruppe zwar recht gross, bestand aber ausschliesslich aus Freiwilligen. Die App installierten nur Menschen, die sich ausreichend für ihre Verdauungsgesundheit interessierten oder die Idee amüsant fanden. Diese Personen entsprechen nicht zwingend der Gesamtbevölkerung; ein Auswahlbias kann deshalb nicht ausgeschlossen werden.

Müssen Sie sich also Sorgen machen, wenn Ihr persönlicher Zähler über dem australischen Mittelwert liegt? Eher nicht. Die Autorinnen nennen keinen Grenzwert, ab dem Fürze als ungewöhnlich gelten würden, und wollen mit ihrer Arbeit keine gastroenterologische Untersuchung ersetzen. Solange Ihr Verdauungssystem nicht mit dem Takt eines Zweitaktmotors mithält, besteht vermutlich kein Grund zur Beunruhigung. Riechen Ihre Fürze jedoch nach Verwesung oder treten sie zusammen mit wiederkehrenden Bauchkrämpfen, Blut im Stuhl oder unerklärlichem Gewichtsverlust auf, sollten Sie nicht weiter zählen. Dann geht es zum Arzt oder direkt in eine gastroenterologische Praxis. Falls Ihnen ein solches Gespräch mit medizinischem Fachpersonal unangenehm ist, denken Sie daran: Dort hat man schon anderes gehört. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – beruhigen Sie sich also: Ihre kleine anale Symphonie ist dort längst nicht das Schlimmste, was man erlebt hat.

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