Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts gehören weltweit zu den häufigsten Krebsarten und sind eine der führenden Todesursachen. Die Diagnose ist meist alles andere als angenehm, denn üblicherweise wird dabei eine Kamera an einer sehr privaten Stelle eingeführt.
Künftig könnten Ärztinnen und Ärzte diese Art von Krebs jedoch möglicherweise am anderen Ende des Körpers erkennen.
Neue Erkenntnisse aus einer im Fachjournal Cell Host & Microbe veröffentlichten Studie weisen darauf hin, dass eine einfache und deutlich weniger invasive Mundprobe ausreichen könnte, um festzustellen, ob eine Person an einem Krebs des Magen-Darm-Trakts erkrankt ist.
„Viele mit dem Mund assoziierte Mikrobenarten kommen auch im Darm vor und können dort gedeihen“, sagt Jihyun Kim, Systembiologin an der Yonsei University in Südkorea und Hauptautorin der neuen Studie.
„Diese Beobachtungen brachten uns zu der Frage, ob orale Mikroben bei Menschen mit Krebs auf andere Weise in den Magen-Darm-Trakt gelangen und dort verbleiben.“

Die Forschenden verglichen Mikroben in Mund- und Stuhlproben gesunder Kontrollpersonen (HC), von Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes (T2D) sowie von Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts (GC/CRC). (Jang et al., Cell Host Microbe, 2026)
Speicheltest auf Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts
Um dies zu untersuchen, nahmen die Forschenden Speichel- und Stuhlproben von 507 Personen. Darunter waren 77 Menschen mit Magenkrebs, 86 mit Darmkrebs sowie 215 Personen mit Stoffwechselerkrankungen wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom. Zusätzlich wurde eine Kontrollgruppe aus 129 gesunden Personen untersucht.
Anschliessend sequenzierte das Team die Gene der Mikroben aus diesen Proben und entwickelte daraus einen Messwert mit einem wenig appetitlichen Namen: den Mund-zu-Stuhl-Index (MF-Index). Er erfasste im Kern, in welchem Ausmass dieselben Mikroben bei derselben Person sowohl im Speichel als auch im Stuhl nachweisbar waren.
Damit konnte das Team prüfen, ob sich der MF-Index zwischen gesunden Personen, Krebspatientinnen und -patienten sowie Menschen mit Stoffwechselerkrankungen unterschied. Ziel war letztlich herauszufinden, ob Menschen mit Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts charakteristische mikrobielle Muster aufweisen, die sich allein über Mundproben erkennen lassen.
Tatsächlich war der MF-Index bei Personen mit Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen deutlich erhöht. Das bedeutet, dass bei Krebspatientinnen und -patienten mehr orale Mikroben als normalerweise weiter in den Darm wandern.
Bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen zeigte sich ein solcher Anstieg dagegen nicht.
„Dass sich mit dem Mund assoziierte Bakterien im Darm von Krebspatienten fanden, war nicht völlig unerwartet“, sagt Sun Ha Jee, Epidemiologin an der Yonsei University.
„Was wir nicht vollständig vorhergesehen hatten, war, wie sich das Signal zwischen den Krankheitsgruppen unterschied, wie viel davon allein in Mundproben nachweisbar war und wie stark es von der Art der Darstellung mikrobieller Merkmale abhing.“

Illustration von Darmkrebs. (Sebastian Kaulitzki/Science Photo Library/Getty Images)
Mundproben im Vergleich zu bisherigen Vorsorgetests
Interessanterweise stellte das Team fest, dass Tests mit Mundproben Anzeichen von Darmkrebs präziser erkennen konnten als einige derzeitige Standardverfahren zur Früherkennung.
Bei Personen ohne Symptome gehört ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl häufig zu den ersten eingesetzten Untersuchungen. Wie der Name nahelegt, sucht er in Stuhlproben nach Blutspuren, die auf Darmkrebs hindeuten können. Fällt das Ergebnis positiv aus, können Ärztinnen und Ärzte anschliessend weitere Untersuchungen zur Bestätigung der Diagnose veranlassen.
Das Problem dabei: Solche Tests liefern häufig falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse. Nicht alle krebsartigen oder präkanzerösen Polypen bluten, weshalb sie oft unentdeckt bleiben. Umgekehrt kann Blut auch durch andere Erkrankungen wie Hämorrhoiden verursacht werden.
Und obwohl die Methode weniger invasiv als eine vollständige Darmspiegelung ist, empfinden es wohl nur wenige Menschen als angenehm, den eigenen Stuhl aufzufangen, einen Stab hineinzutauchen und ihn an ein Labor zu schicken.
Wenn sie wählen könnten, würden die meisten Patientinnen und Patienten vermutlich lieber eine Mundspülprobe abgeben.
„Bemerkenswert war, dass sich krebsbezogene Informationen allein aus Mundproben gewinnen liessen“, sagt Yong Chan Lee, Gastroenterologe an der Yonsei University.
„Obwohl nur ein kleiner Anteil der oralen Bakterienvarianten auch im Darm nachgewiesen wurde, konnten Modelle, die ausschliesslich diese oralen Merkmale nutzten, Patienten mit Krebs in mehreren unabhängigen Kohorten von gesunden Personen unterscheiden.“
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Was vor dem klinischen Einsatz noch geklärt werden muss
Der Ansatz ist vielversprechend, doch bis Mundtests zur klinischen Diagnose von Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts eingesetzt werden können, ist noch viel Forschungsarbeit nötig.
Zum einen wissen die Forschenden nicht, warum überhaupt ein Zusammenhang besteht: Tragen Mundbakterien, die in den Darm gelangen, zur Krebsentstehung bei? Oder erleichtert Krebs den Mundbakterien, in den Darm zu wandern und dort zu überdauern? Möglicherweise trifft beides zu.
Künftige Studien sollen diese Kausalität untersuchen, empfindlichere Versionen des Tests entwickeln und bewerten, wie präzise er bei Menschen funktioniert, die noch keine Krebsdiagnose haben.
Die Studie wurde im Fachjournal Cell Host & Microbe veröffentlicht.
Dieser Artikel wurde von Clare Watson auf Fakten geprüft und von Clare Watson redigiert. Wir sind stolz auf unseren Prüfprozess, doch auch wir sind nur Menschen. Falls Ihnen ein Fehler auffällt, teilen Sie ihn uns bitte mit.

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