Ein Filter, der bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen überschüssige Fette aus dem Blut entfernen soll, könnte womöglich auch deutlich kleinere Mitreisende abfangen: bestimmte langlebige synthetische Chemikalien und Mikroplastik.
Die Behandlung heißt therapeutische Apherese. Dabei wird das Blut einer Patientin oder eines Patienten durch ein Gerät geleitet, gezielt von bestimmten Stoffen gefiltert und anschließend wieder in den Körper zurückgeführt.
Sie wurde nicht dafür entwickelt, Umweltbelastungen zu beseitigen. Üblicherweise kommt sie in schweren Fällen zum Einsatz, wenn Medikamente allein Cholesterin – fetttransportierende Partikel, die mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind – nicht ausreichend senken können.
Als Forschende in Deutschland Blutproben unmittelbar vor und nach dem Eingriff verglichen, sanken jedoch die Konzentrationen einiger synthetischer Chemikalien. Erste Ergebnisse weisen zudem darauf hin, dass die Filter möglicherweise bestimmte Mikroplastikpartikel zurückhalten.
PFAS und therapeutische Apherese
Die in der Studie in Brain Health untersuchten Chemikalien gehören zu den per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, kurz PFAS. Sie werden in zahlreichen Produkten verwendet, etwa in Antihaftbeschichtungen, wasserabweisenden Textilien und einigen Lebensmittelverpackungen.
Da manche PFAS über Jahre in der Umwelt und im menschlichen Körper verbleiben, werden sie häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet.
Menschen können PFAS auf vielfältige Weise ausgesetzt sein: über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel, Verbraucherprodukte, Verpackungen und sogar Hausstaub.
„Der aus unserer Sicht wichtigste Befund unserer Studie ist, dass die therapeutische Apherese, ein ursprünglich zur Entfernung von Lipoproteinen aus dem Blut von Patientinnen und Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeltes Verfahren, auch die zirkulierenden Konzentrationen von PFAS und Mikroplastik verringerte“, sagte die molekulare Endokrinologin Charlotte Steenblock von der Technischen Universität Dresden gegenüber ScienceAlert.
„Das war unerwartet, weil PFAS und Mikroplastik chemisch von Lipoproteinen verschieden sind und nicht zu den beabsichtigten Zielen der Behandlung gehörten.“
Eine langfristige Belastung mit bestimmten PFAS wird mit höheren Gesamtcholesterinwerten sowie erhöhtem LDL, dem „schlechten“ Cholesterin, Veränderungen des Immun- und Hormonsystems und einigen Krebsarten in Verbindung gebracht. Das Risiko hängt jedoch von Art, Dosis und Dauer der Exposition ab.

Gutes HDL- und schlechtes LDL-Cholesterin. (University of Utah)
Die Forschenden untersuchten 14 Patientinnen und Patienten, die sich einer Plasmapherese mit doppelter Filtration unterzogen. Dabei werden die Blutzellen vom Plasma getrennt; dieses durchläuft anschließend einen zweiten Filter, der größere Zielstrukturen wie Lipoproteine zurückhält.
Vor und nach jeder von zwei Sitzungen mit doppelter Filtration wurden bei diesen Personen vier verbreitete PFAS gemessen. Direkt nach einem Eingriff waren die Blutkonzentrationen um bis zu 25 Prozent gesunken.
Ein weiteres Labor analysierte Proben von vier Patientinnen und Patienten mit einer anderen Methode und ermittelte bei fünf PFAS durchschnittliche Rückgänge von 43.5 bis 75.8 Prozent.
Wegen der kleinen Stichprobe und der unterschiedlichen Methoden lassen sich die beiden Ergebnissätze jedoch nicht unmittelbar vergleichen. Auch bedeuten die höheren Prozentwerte nicht, dass bei jeder einzelnen Person mehr als die Hälfte jener spezifischen PFAS-Moleküle entfernt wurde.
Einige PFAS binden an Blutproteine und könnten zusammen mit Lipoproteinen transportiert werden. Daher könnten die Filter sie entweder direkt zurückhalten oder sie gemeinsam mit den eigentlich vorgesehenen Zielstrukturen entfernen.
„Unsere derzeitige Hypothese lautet, dass diese Umweltbelastungen entweder direkt in den Apherese-Filtern zurückgehalten werden oder Aggregate beziehungsweise Komplexe mit Lipoproteinen und Plasmaproteinen bilden, sodass sie während des Verfahrens mit entfernt werden können“, sagt Steenblock.

Schematischer Überblick darüber, wie therapeutische Apherese zirkulierende PFAS und MNPs verringern könnte. (Bornstein et al., *Brain Health, 2026)*
Mikroplastik: Uneinheitliche Ergebnisse
Die Befunde zu Mikroplastik waren weniger konsistent.
Bei vier Patientinnen und Patienten gingen die Polyethylenwerte bei allen zurück, während Polyvinylchlorid bei drei Personen abnahm. Andere Polymere zeigten jedoch nicht dasselbe Muster, und bei einigen Kunststoffen stiegen die im Blut zirkulierenden Mengen nach der Behandlung an.
Diese Abweichungen könnten auf Messmethoden, Kontaminationen aus der Umgebung oder Kunststoffbestandteile des Apherese-Systems zurückgehen. Die Studie belegt daher nicht, dass Apherese Mikroplastik im menschlichen Blut zuverlässig senkt.
Nach Angaben von Steenblock wies das Team wiederholt Mikroplastik in Material nach, das aus gebrauchten Filtern ausgewaschen worden war.
„Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Apherese Mikroplastikpartikel nicht lediglich umverteilt, sondern sie tatsächlich aus dem Kreislauf entfernt, da wir wiederholt Mikroplastik in den Eluaten nachgewiesen haben, die nach der Behandlung aus den Apherese-Filtern gewonnen wurden“, sagt sie.
Doch dass Partikel in einem Filter aufgefangen werden, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die gesamte Mikroplastikbelastung des Körpers verringert. Bluttests erfassen nur, was gerade im Blutkreislauf zirkuliert; in Geweben eingelagerte Partikel könnten später erneut ins Blut gelangen.
Das ist bedeutsam, weil Mikroplastik bereits in menschlichem Hirn-, Leber- und Nierengewebe nachgewiesen wurde, seine langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen aber weiterhin unklar sind.
Grenzen der bisherigen Forschung
An der explorativen Studie nahmen kleine, teilweise unterschiedliche Patientengruppen teil, und Mikroplastikmessungen sind anfällig für Umweltkontaminationen. Die Forschenden ermittelten weder, wie lange die Rückgänge anhielten, noch ob sich der Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten verbesserte.
Bevor Apherese als Behandlung bei einer Belastung durch Umweltstoffe in Betracht gezogen werden kann, sind deshalb größere kontrollierte Studien, standardisierte Messungen und längere Nachbeobachtungszeiten erforderlich.
Eine separate, 2026 im Journal of Clinical Apheresis veröffentlichte Studie untersuchte 174 Plasmaaustauschverfahren bei 114 Patientinnen und Patienten. Bei Personen mit hohen Ausgangswerten sanken die Mikroplastikkonzentrationen, während sie bei jenen mit niedrigen Ausgangswerten anstiegen.
Die Autorinnen und Autoren dieser Arbeit vermuten, dass Kunststoffschläuche und Flüssigkeitsbeutel, die während des Verfahrens verwendet wurden, Partikel ins Blut abgegeben haben könnten.
Weiterführend: „Ewigkeitschemikalien“ in 98.8 % der untersuchten menschlichen Blutproben nachgewiesen
Derzeit stützen die Daten nicht die Auffassung, Apherese sei eine Mikroplastik-„Entgiftung“. Es handelt sich um einen medizinischen Eingriff für bestimmte Erkrankungen, der unter fachärztlicher Aufsicht durchgeführt wird.
Die Ergebnisse werfen dennoch eine interessante Möglichkeit auf: Ein Filter, der schädliche fetttransportierende Partikel auffangen soll, könnte zugleich einige PFAS und Mikroplastikpartikel entfernen, die gemeinsam mit ihnen transportiert werden.
Die Studie wurde in Brain Health veröffentlicht.
Dieser Artikel wurde von Rachel Garner faktengeprüft und von Rebecca Dyer redigiert. Trotz unseres sorgfältigen Prozesses sind wir nur Menschen. Falls Ihnen ein Fehler auffällt, teilen Sie ihn uns bitte mit.

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