Mit 66 Jahren hat sich ein ehemaliger Gemeindemitarbeiter nach einer einschneidenden gesundheitlichen Prüfung für das Meer entschieden, das seine Prioritäten grundlegend verändert hat.
Seit einem Jahr lebt Roberto allein auf einem 14 Meter langen Segelboot vor Ibiza. Der frühere Angestellte einer Gemeindeverwaltung hat seine Wohnung an Land gegen eine Kajüte, ein Deck und den Horizont eingetauscht. Dieser lange gereifte Entschluss wurde durch die Krebsdiagnose im Jahr 2023 beschleunigt.
Die Krankheit beschleunigte einen lang gehegten Plan
Schon bevor die Krankheit in sein Leben trat, wollte Roberto auf einem Boot wohnen. Mit der Diagnose veränderte sich sein Verhältnis zur Zeit. Ihm wurde nach eigenen Angaben plötzlich klar, dass manche Vorhaben nicht noch jahrelang aufgeschoben werden konnten.
Als er sich dem Ruhestand näherte, entschied er sich, seine Arbeit beinahe sofort aufzugeben. Die letzten zwei Jahre seiner beruflichen Tätigkeit waren von einer Erholungsphase zu Hause geprägt. Diese Auszeit bestärkte ihn zusätzlich darin, seinen Aufbruch vorzubereiten.
Nach der Krebsdiagnose entschied Roberto, seinen Traum vom Leben auf dem Wasser nicht länger aufzuschieben.
Der 66-Jährige sagt, dass er sich in seinem neuen Alltag verjüngt fühle. Über sein Alter scherzt er sogar und meint, er fühle sich eher wie 64. Hinter dieser lockeren Bemerkung steht vor allem ein klarer Bruch mit einem Berufsleben, das er nicht weiterführen wollte.
Ein 14 Meter langes Segelboot für 85.000 Euro
Sein Boot ist 14 Meter lang und bietet Platz für bis zu sechs Personen. Roberto lebt dort allein, verfügt aber über genügend Raum, um gelegentlich seine drei Kinder oder Freunde zu empfangen, die er während seiner Fahrten kennenlernt.
Der Kauf kostete ihn 85.000 Euro. Zwar handelt es sich um eine erhebliche Summe, doch er setzt sie in Relation zu Immobilienpreisen und den Kosten eines gewöhnlichen Lebens in besonders angespannten Küstenregionen. Für ihn ist das Boot zugleich Wohnort, Verkehrsmittel und Ausdruck seiner Unabhängigkeit.
Seine Verbundenheit zum Meer reicht bis in die Kindheit zurück. Roberto stammt aus Galicien und erzählt, nahe einem Strand aufgewachsen zu sein, in einer Umgebung, in der der Sand beinahe zum Haus gehörte. Auch sein Familienname Mariño scheint diese langjährige Verbindung zur See widerzuspiegeln.
Begrenzte Ausgaben während eines Teils des Jahres
Roberto erhält eine Rente und zusätzlich Einkünfte aus der Vermietung seiner Wohnung. Zusammen belaufen sich diese auf rund 3.000 Euro monatlich. Liegt er in einer Bucht vor Anker, beschränken sich seine laufenden Ausgaben auf Lebensmittel, die übliche Instandhaltung und Freizeitaktivitäten.
Durch diese Organisation kann er Geld für den Winter zurücklegen. Dann werden die Bedingungen auf See schwieriger, sodass ein Liegeplatz in einem Hafen notwendig wird. Auf Ibiza können die Preise jedoch sehr hoch ausfallen.
- Kaufpreis des Segelboots: 85.000 Euro;
- Länge des Bootes: 14 Meter;
- Angegebene monatliche Einkünfte: etwa 3.000 Euro;
- Genannte Kosten für eine Nacht im Hafen von Sant Antoni: 300 Euro.
Allein für eine Übernachtung mit seinem Boot in diesem Hafen könnte er 300 Euro zahlen. Das erklärt, weshalb er möglichst oft auf Reede bleibt und dabei die örtlichen Vorschriften sowie die zugelassenen Bereiche einhält.
Leben vor Ibiza bedeutet nicht, auf Vorsicht zu verzichten
Roberto akzeptiert die mit dem Segeln verbundenen Risiken, hält sie jedoch häufig für übertrieben dargestellt. Aus seiner Sicht bergen auch tägliche Autofahrten zahlreiche Gefahren. Sein Segelboot ist so ausgestattet, dass Risiken verringert werden und im Notfall Hilfe leichter erfolgen kann.
Robertos Boot verfügt über ein automatisches Identifikationssystem und mehrere Notfunkbaken, die seine Ortung ermöglichen.
Das automatische Identifikationssystem, meist mit AIS abgekürzt, übermittelt Position, Kurs und Geschwindigkeit des Bootes. Es hilft Seeleuten, andere Schiffe in der Umgebung zu erkennen, insbesondere nachts oder bei eingeschränkter Sicht. Die Funkbaken senden hingegen ein Notsignal aus und unterstützen Rettungsdienste bei der Ortung.
Diese Ausrüstung ersetzt keine sorgfältige Vorbereitung. Wetter, Motorzustand, Ankerplatz, Wasservorräte und elektrische Autonomie erfordern dauerhafte Aufmerksamkeit. Wer an Bord lebt, muss zudem eine Wetterverschlechterung rechtzeitig einschätzen und vor starkem Seegang einen geschützten Ort anlaufen können.
Ibiza in der Wohnungsnot
Rund um Ibiza lebend, hat Roberto nach eigener Aussage eine andere Seite der Insel kennengelernt. Abseits ihres oft anhaftenden Partyimages spricht er über die Schönheit der Landschaften, die Buchten und das Leben auf dem Meer. Zugleich beobachtet er die zunehmenden Probleme der Einwohner bei der Wohnungssuche.
Nach seiner Einschätzung zahlen manche Menschen bis zu 3.000 Euro monatlich für eine kleine Einzimmerwohnung. Dieser Druck auf dem Immobilienmarkt trifft vor allem junge Berufstätige und Saisonbeschäftigte, deren Mieten weit von ihren Einkommen entfernt liegen.
Kritischer Blick auf den Zugang zu Wohneigentum
Roberto beschreibt sich als Gegner traditioneller gesellschaftlicher Normen und kritisiert ein System, in dem Wohneigentum für einen wachsenden Teil der Bevölkerung unerreichbar erscheint. Er erinnert sich, seine eigene Wohnung mit 24 Jahren gekauft und dafür etwa ein Viertel seines Gehalts eingesetzt zu haben.
Seine Lebensweise ist keine Lösung, die allen offensteht. Der Kauf und Unterhalt eines Segelboots setzen Startkapital, praktische Fähigkeiten und die Bereitschaft voraus, mit Einsamkeit umzugehen. Darüber hinaus müssen Kosten für Versicherung, Treibstoff, Reparaturen, Unterwasseranstrich und einen Hafenliegeplatz in den schwierigen Monaten berücksichtigt werden.
Roberto hat keinen festen Zeitplan festgelegt. Zunächst hatte er eine Atlantiküberquerung ins Auge gefasst, entschied sich dann aber dafür, seine Wünsche mit den einzelnen Zwischenstopps weiterzuentwickeln. Er sagt weder, sein Haus zu vermissen, noch einen neuen Mietvertrag abschließen zu wollen. Auf seinem Boot, zwischen Besuchen seiner Angehörigen und Begegnungen mit Durchreisenden, habe er nach eigener Aussage eine Form von Freiheit gefunden, die er nicht mehr aufgeben möchte.
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