Wer sich in sozialen Netzwerken mit Ernährung und Lebensstil beschäftigt, ist vermutlich schon auf allerlei „Tricks“ zum Abnehmen gestossen.
Zu den neueren Trends zählt ein selbst gemachtes Getränk namens Ricezempic. Dafür wird ungekochter Reis eingeweicht, anschliessend abgeseiht und das verbleibende stärkehaltige Wasser getrunken. Klingt köstlich, oder?
Befürworterinnen und Befürworter behaupten, das Getränk fördere die Gewichtsabnahme, weil es länger satt halte und den Appetit dämpfe. Es solle ähnlich wie das begehrte Medikament Ozempic wirken – daher auch der Name.
Kann dieses Getränk die Abnehmeffekte von Ozempic also tatsächlich nachahmen?
Die kurze Antwort lautet: wahrscheinlich nicht. Ein Blick auf die wissenschaftliche Evidenz zeigt, warum.
@dodicreations
Tag 2 der Rice-zempic-Challenge. #ricezempic #resistentestärke @TheChorroKing💩👑
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Wie wird Ricezempic zubereitet?
Je nachdem, wen man fragt, unterscheidet sich das Rezept leicht. Ricezempic wird jedoch meist folgendermassen hergestellt:
- Eine halbe Tasse ungewaschenen weissen Reis mit einer Tasse warmem oder heissem Wasser vermischen und bis zu über Nacht einweichen lassen.
- Die Reismischung durch ein Sieb in ein sauberes Glas giessen.
- Den Reis entsorgen, das stärkehaltige Wasser aber auffangen.
- Den Saft einer halben Limette oder Zitrone in das Stärkewasser geben und trinken.
Auf TikTok wird empfohlen, diese Mischung einmal täglich direkt morgens vor dem Essen zu trinken, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
Die Annahme dahinter: Je länger Ricezempic konsumiert wird, desto mehr Gewicht soll man verlieren. Einige behaupten sogar, dass die Aufnahme des Getränks in die Ernährung innerhalb von zwei Monaten zu einem Gewichtsverlust von bis zu 27 Kilogramm führen könne.
Resistente Stärke
Menschen, die Ricezempic anpreisen, führen seine angebliche Wirkung auf die resistente Stärke im Reis zurück. Resistente Stärke ist eine Form von Ballaststoffen und wird auch als Präbiotikum eingestuft. Zwar gibt es keine überzeugenden Belege dafür, dass sie länger satt macht, gesundheitliche Vorteile sind jedoch nachgewiesen.
Studien deuten darauf hin, dass resistente Stärke helfen kann, den Blutzucker zu regulieren, die Gewichtsabnahme zu unterstützen und die Darmgesundheit zu verbessern.
Forschungsergebnisse zeigen ausserdem, dass der Verzehr resistenter Stärke das Risiko für Adipositas, Diabetes, Herzkrankheiten und weitere chronische Erkrankungen senken kann.
Resistente Stärke kommt in zahlreichen Lebensmitteln vor. Dazu gehören Bohnen, Linsen, Vollkornprodukte wie Hafer, Gerste und Reis – insbesondere Naturreis –, Bananen, vor allem unreife oder grüne Bananen, Kartoffeln sowie Nüsse und Samen. Besonders reich daran sind Chiasamen, Leinsamen und Mandeln.
Eine halbe Tasse ungekochter weisser Reis, wie im Ricezempic-Rezept vorgesehen, enthält ungefähr 0.6 Gramm resistente Stärke. Für optimale gesundheitliche Vorteile wird eine tägliche Zufuhr von 15–20 Gramm resistenter Stärke empfohlen.
Wie viel resistente Stärke aus Reis tatsächlich ins Wasser übergeht, ist nicht eindeutig belegt. Wahrscheinlich handelt es sich aber um deutlich weniger als 0.6 Gramm, da das ganze Reiskorn nicht mitgegessen wird.
Ricezempic im Vergleich zu Ozempic
Ozempic wurde ursprünglich entwickelt, um Menschen mit Diabetes bei der Kontrolle ihres Blutzuckers zu helfen. Inzwischen wird es häufig auch zur Gewichtsabnahme eingesetzt.
Ozempic gehört zusammen mit ähnlichen Medikamenten wie Wegovy und Trulicity zu den Agonisten des Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptors, kurz GLP-1. Diese Arzneimittel ahmen das GLP-1-Hormon nach, das der Körper selbst bildet. Dadurch verlangsamen sie die Verdauung, sodass Menschen länger satt bleiben und weniger Appetit haben.
Die resistente Stärke im Reis könnte zwar einige ähnliche Effekte wie Ozempic hervorrufen, etwa ein Sättigungsgefühl und damit eine geringere Energieaufnahme. Wissenschaftliche Studien haben Ricezempic nach den in sozialen Medien verbreiteten Rezepten jedoch nicht untersucht.
Ozempic besitzt eine lange Halbwertszeit und bleibt etwa sieben Tage im Körper aktiv. Der Verzehr einer Tasse Reis sorgt dagegen lediglich für einige Stunden für ein Sättigungsgefühl. Reis nur in Wasser einzuweichen und anschliessend das stärkehaltige Wasser zu trinken, sättigt zudem nicht so stark wie der Verzehr des Reises selbst.
So lässt sich mehr resistente Stärke in die Ernährung einbauen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mehr resistente Stärke zu essen und gleichzeitig zusätzliche Nährstoffe und Vitamine aufzunehmen, die Ricezempic nicht bietet.
1. Gekochter und abgekühlter Reis
Wenn gekochter Reis abkühlt, steigt sein Gehalt an resistenter Stärke. Das anschliessende Aufwärmen verringert die während des Abkühlens gebildete resistente Stärke nicht wesentlich. Naturreis ist weissem Reis vorzuziehen, weil er mehr Ballaststoffe sowie zusätzliche Mikronährstoffe wie Phosphor und Magnesium enthält.
2. Mehr Hülsenfrüchte
Hülsenfrüchte enthalten viel resistente Stärke und können bei regelmässigem Verzehr das Gewichtsmanagement unterstützen. Wie wäre es heute Abend mit einem Gericht mit Pintobohnen, Kichererbsen, schwarzen Bohnen oder Erbsen?
3. Gekochte und abgekühlte Kartoffeln
Werden Kartoffeln gekocht und mindestens einige Stunden abgekühlt, erhöht sich ihr Anteil an resistenter Stärke. Vollständig abgekühlte Kartoffeln sind eine ergiebige Quelle dieser Stärke und liefern zudem wichtige Nährstoffe wie Kalium und Vitamin C. Ein Kartoffelsalat als Beilage ist eine gute Möglichkeit, davon zu profitieren.
Kurz gesagt
Auch wenn viele Menschen in sozialen Medien von positiven Erfahrungen berichten, gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Reiswasser oder „Ricezempic“ beim Abnehmen wirksam ist. Wer Ricezempic trinkt, ohne seine Ernährung oder seinen Lebensstil anderweitig zu verändern, wird vermutlich keine nennenswerten Veränderungen beim Gewicht feststellen.
Das Getränk kann zwar eine geringe Menge an Resten resistenter Stärke aus dem Reis sowie Flüssigkeit aus dem Wasser liefern. Lebensmittel, die resistente Stärke in ihrer vollständigen Form enthalten, bieten jedoch deutlich mehr Nährwert.
Generell ist bei Abnehmtricks aus sozialen Medien Vorsicht geboten. Dauerhaft Gewicht zu verlieren bedeutet, schrittweise gesunde Essgewohnheiten und regelmässige Bewegung zu etablieren, damit diese Veränderungen ein Leben lang Bestand haben.
Emily Burch, akkreditierte praktizierende Diätassistentin und Dozentin an der Southern-Cross-Universität, und Lauren Ball, Professorin für Gemeinde-Gesundheit und Wohlbefinden an der Universität Queensland
Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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