Verpackte Lebensmittel stehen in den Regalen von Supermärkten und füllen die Küchenschränke. Ihre lange Haltbarkeit macht sie praktisch. Möglich wird diese durch Lebensmittelkonservierungsstoffe – chemische Substanzen, die den Verderb verlangsamen, Bakterienwachstum begrenzen und Produkte frisch aussehen lassen.
Eine neue Untersuchung deutet darauf hin, dass der häufige Verzehr bestimmter Konservierungsstoffe das Krebsrisiko geringfügig erhöhen könnte.
Durchgeführt wurde die Studie von Forschenden der französischen NutriNet-Santé-Kohorte, unterstützt von mehreren Einrichtungen, darunter die Universität Paris und das Französische Nationale Krebsinstitut.
Den Ergebnissen zufolge fällt der beobachtete Risikoanstieg offenbar gering aus; die Wissenschaft betont zudem, dass weitere Forschung erforderlich ist. Dennoch werfen die Resultate Fragen zu den geltenden Vorschriften für die Lebensmittelsicherheit auf.
Lebensmittelkonservierungsstoffe und Gesundheit im Fokus
An der Studie nahmen 105.260 Personen im Alter von mindestens 15 Jahren teil; ihr Durchschnittsalter betrug 42 Jahre. Frauen stellten knapp vier Fünftel der Gruppe, und bei Beginn der Untersuchung hatte keine der Personen eine Krebsdiagnose.
Die Teilnehmenden dokumentierten ihre Ernährung mithilfe detaillierter 24-Stunden-Ernährungsprotokolle, in denen auch Markennamen angegeben wurden. Dadurch konnten die Forschenden die Belastung durch Konservierungsstoffe ungewöhnlich präzise erfassen.
Bis Ende 2023 wurden die gesundheitlichen Ergebnisse anhand von Krankenakten und nationalen Gesundheitsdatenbanken beobachtet. Diese langfristige und hochauflösende Erfassung erlaubte es, die individuelle Aufnahme von Konservierungsstoffen über viele Jahre hinweg zu schätzen und mit späteren Gesundheitsmustern in Beziehung zu setzen.
Im Mittelpunkt standen 17 Konservierungsstoffe, die in verarbeiteten Lebensmitteln häufig eingesetzt werden. Dazu zählten Kaliumsorbat, Natriumnitrit, Kaliumnitrat, Sulfite, Acetate, Zitronensäure, Lecithine und Erythorbate.
Die Zusatzstoffe ließen sich zwei großen Gruppen zuordnen: Stoffen, die Bakterienwachstum oder chemischen Verderb hemmen, sowie Antioxidantien, die Schäden durch Sauerstoff während der Lagerung begrenzen.
Diese Konservierungsstoffe kommen in zahlreichen Alltagsprodukten vor – von Brot und Saucen über verarbeitetes Fleisch und Getränke bis zu Backwaren und verzehrfertigen Mahlzeiten.
Welche Krebsarten am häufigsten auftraten
Während der mehrjährigen Beobachtungszeit wurden bei den Teilnehmenden 4.226 neue Krebsfälle festgestellt. Brustkrebs kam am häufigsten vor. An zweiter Stelle stand Prostatakrebs, gefolgt von Darmkrebs.
Daneben traten zahlreiche weitere Krebsarten auf, die zusammengenommen mehr als die Hälfte aller Fälle ausmachten. Damit spiegelten die in der Studie beobachteten Krebserkrankungen ein breites Spektrum realer Diagnosen wider und nicht nur eine einzelne Krankheit.
Anschließend bewertete das Forschungsteam Lebensmittelkonservierungsstoffe auf zwei Arten. Zunächst wurde die Aufnahme aller Konservierungsstoffe zu einer gemeinsamen Gruppe zusammengefasst. In dieser Betrachtung zeigte sich kein erhöhtes Krebsrisiko. Der allgemeine Verzehr konservierungsmittelhaltiger Lebensmittel wies keinen eindeutigen Zusammenhang mit Krebs auf.
Danach untersuchten die Forschenden jeden Konservierungsstoff einzeln. Für die meisten einzelnen Stoffe ergab sich ebenfalls keine Verbindung zum Krebsrisiko.
Eine kleine Zahl verhielt sich jedoch anders: Bei einigen Konservierungsstoffen wurden bei Personen mit höherem Verzehr höhere Krebsraten beobachtet.
Gerade diese Stoffe hoben sich von den übrigen ab. Das deutet darauf hin, dass ein mögliches Risiko eher von der Art des Konservierungsstoffs abhängen könnte als von Konservierungsstoffen insgesamt.
Welche Lebensmittelkonservierungsstoffe auffielen
Eine höhere Aufnahme von Kaliumsorbat stand mit einem erhöhten Gesamtkrebsrisiko und einem höheren Brustkrebsrisiko in Zusammenhang. Auch Sulfite und Kaliummetabisulfit wurden mit einem höheren Gesamtkrebsrisiko verbunden.
Für Natriumnitrit zeigte sich eine deutliche Verbindung zu Prostatakrebs. Kaliumnitrat war mit einem höheren Gesamtkrebsrisiko sowie einem erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert. Auch Essigsäure und die Gesamtmenge der Acetate wiesen Zusammenhänge mit Krebs auf.
Bei den antioxidativen Konservierungsstoffen standen Erythorbate mit einer höheren Krebsinzidenz insgesamt und einer höheren Brustkrebsinzidenz in Verbindung. Viele andere Antioxidantien zeigten keinen Effekt.
Wie Konservierungsstoffe Zellen beeinflussen könnten
Laborforschung liefert mögliche Erklärungen dafür, weshalb manche Konservierungsstoffe das Krebsrisiko beeinflussen könnten. Studien an Zellen zeigen, dass Kaliumsorbat, Natriumnitrit, Natriumerythorbat und Natriumascorbat Zellen schädigen oder Wachstumsmuster verändern können.
Kaliumsorbat könnte sich an Blutproteine binden und die Bildung fortgeschrittener Glykationsendprodukte fördern. Solche Verbindungen verstärken Entzündungen und oxidativen Stress.
Natriumacetat kann das Wachstum von Krebszellen anregen und entzündliche Signale wie Interleukine und Tumornekrosefaktoren erhöhen. Chronische Entzündungen schaffen Bedingungen, die die Krebsentstehung begünstigen.
Nitrite und Nitrate können im Körper zu N-Nitroso-Verbindungen umgewandelt werden. Internationale Krebsorganisationen stufen solche Verbindungen als wahrscheinlich krebserregend ein.
Fleischhaltige Lebensmittel fördern die Entstehung dieser Verbindungen, während vitamin-C-reiches Obst und Gemüse ihre Bildung verringern kann. Die Dosis und der Lebensmittelkontext scheinen dabei entscheidend zu sein.
Einige Konservierungsstoffe könnten außerdem die Darmbakterien verändern. Verschiebungen dieses Gleichgewichts im Darm können die Kontrolle durch das Immunsystem schwächen und Entzündungen verstärken; beides wird mit dem Fortschreiten von Krebs in Verbindung gebracht.
Aussagekraft der Hinweise und Grenzen der Studie
Die Forschenden warnen davor, daraus einen direkten Kausalzusammenhang abzuleiten. Beobachtungsstudien können nicht sämtliche verborgenen Einflussfaktoren ausschließen.
Die lange Nachbeobachtungszeit, wiederholte Ernährungsprotokolle und detaillierte Daten auf Markenebene erhöhen jedoch das Vertrauen in die beobachteten Muster.
„Diese Studie liefert neue Erkenntnisse für die künftige Neubewertung der Sicherheit dieser Lebensmittelzusatzstoffe durch Gesundheitsbehörden, wobei das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko für Lebensmittelkonservierung und Krebs berücksichtigt wird“, stellen die Autorinnen und Autoren fest.
Bewusste Entscheidungen bei Lebensmitteln treffen
Die Forschenden empfehlen, Lebensmittel nach Möglichkeit mit weniger Konservierungsstoffen zu wählen. Der Verzehr frischer oder weniger stark verarbeiteter Produkte kann die Aufnahme dieser Chemikalien senken. Verständliche Lebensmittelkennzeichnungen und strengere Sicherheitsvorgaben könnten Menschen ebenfalls bei besseren Entscheidungen unterstützen.
Konservierungsstoffe bieten weiterhin Vorteile: Lebensmittel bleiben länger haltbar, sind günstiger und werden seltener weggeworfen. Deshalb sind ausgewogene Regeln wichtiger als eine vollständige Abschaffung.
Gesundheitsexpertinnen und -experten raten bereits dazu, weniger verarbeitetes Fleisch zu essen und weniger Alkohol zu trinken. Diese Maßnahmen können das Krebsrisiko senken, während die Forschung fortgesetzt wird.
Die Wissenschaft untersucht weiterhin, wie Lebensmittelchemikalien die Gesundheit langfristig beeinflussen. Auf die Lebensmittelauswahl zu achten und maßvoll zu essen, kann die langfristige Gesundheit schützen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen