Nach dem 60. Lebensjahr kann es ebenso wichtig sein, das Gleichgewicht gezielt zu trainieren, wie Kraft und Ausdauer zu fördern. Eine einfache Übung besteht darin, für einige Sekunden auf einem Bein zu stehen – stets in der Nähe einer stabilen Fläche. Dabei werden genau die Systeme gefordert, die helfen, nach einem Stolpern wieder stabil zu werden. Dieses Training steigert nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern trägt auch dazu bei, alltägliche Fähigkeiten zu erhalten: Treppen steigen, auf unebenem Untergrund gehen und Aktivitäten weiterhin eigenständig erledigen.
Warum kann der Einbeinstand helfen, Stürze zu vermeiden?
Beim Gehen gibt es immer wieder Phasen, in denen nahezu das gesamte Körpergewicht von nur einem Bein getragen wird. Der Einbeinstand bildet diese Belastung unter kontrollierten Bedingungen nach. Sprunggelenke, Knie, Hüften und Rumpf müssen dabei fortlaufend kleine Korrekturen vornehmen, damit der Körperschwerpunkt über der Standfläche bleibt.
Der Nutzen entsteht nicht dadurch, minutenlang regungslos auszuharren. Die Übung sollte anspruchsvoll genug sein, um Korrekturbewegungen auszulösen, ohne ein Risiko zu schaffen. Regelmäßige Gleichgewichtsübungen können folgende Fähigkeiten trainieren:
- Körperkontrolle bei Positionsveränderungen;
- Stabilität in Sprunggelenken und Hüften;
- Zusammenspiel von Sehen, Muskulatur und Gleichgewichtssinn;
- Reaktion auf kleine Gleichgewichtsverluste;
- Sicherheit bei alltäglichen Bewegungen.
Reichen Dehnen und Pilates aus, um Stürze zu vermeiden?
Dehnübungen können die Beweglichkeit erhalten. Pilates kann – abhängig von den gewählten Übungen – Kraft, Körperkontrolle und Gleichgewicht unterstützen. Problematisch wird es, wenn davon ausgegangen wird, dass jede Trainingsform automatisch ein spezifisches Gleichgewichtstraining ersetzt. Programme zur Sturzprävention wirken in der Regel besser, wenn sie die Stabilität unmittelbar herausfordern und zusätzlich die Beinmuskulatur sowie funktionelle Bewegungen einbeziehen.
Wie lässt sich die Gleichgewichtsübung sicherer ausführen?
Für den Einstieg eignet sich ein Platz neben einer festen Arbeitsplatte oder der stabilen Rückenlehne eines Stuhls. Stellen Sie die Füße dicht zusammen, verlagern Sie das Gewicht langsam auf ein Bein und heben Sie den anderen Fuß einige Zentimeter vom Boden ab. Zu Beginn dürfen die Hände zur Unterstützung eingesetzt werden; mit besserer Kontrolle kann diese Hilfe schrittweise verringert werden.
Die Übung soll fordernd bleiben, darf jedoch nicht zu einer riskanten Prüfung werden. Die Schwierigkeit lässt sich steigern, indem die Fußstellung verändert, die Handunterstützung reduziert oder funktionelle Bewegungen ergänzt werden.
- Beginnen Sie in der Nähe einer stabilen Fläche;
- richten Sie den Blick auf einen Punkt vor sich;
- nutzen Sie bei Bedarf die Hände zur Unterstützung;
- üben Sie mit beiden Körperseiten;
- erhöhen Sie die Schwierigkeit erst, wenn die vorherige Position sicher beherrscht wird;
- trainieren Sie bei hohem Sturzrisiko nicht allein.
Warum sollten Kraft und Gleichgewicht nach dem 60. Lebensjahr gemeinsam trainiert werden?
Nach einem Stolpern das Gleichgewicht wiederzufinden, setzt voraus, dass der Körper die instabile Position erkennt und rasch Kraft erzeugt: etwa um einen Schritt zu machen, sich festzuhalten oder die Füße neu zu positionieren. Deshalb ergänzen sich Muskelkraft und Gleichgewicht. Angepasste Kniebeugen, das Aufstehen und Hinsetzen an einem Stuhl, Treppensteigen sowie Wadenübungen können die Muskulatur stärken, die für solche Reaktionen benötigt wird.
- Aufstehen und Hinsetzen trainiert Quadrizeps und Hüften;
- Wadenheben kräftigt Sprunggelenke und Beine;
- Treppensteigen verbindet Kraft mit Körperkontrolle;
- Gehen in verschiedene Richtungen fordert die Koordination;
- Gleichgewichtsübungen ergänzen das Training um den Stabilitätsaspekt.
Ziel ist, das heute Selbstverständliche weiterhin allein tun zu können
Ein Sturz kann Folgen haben, die über eine unmittelbare Verletzung hinausgehen. Nach einem solchen Ereignis meiden manche Menschen Treppen, Spaziergänge und das Verlassen der Wohnung, weil sie einen weiteren Sturz fürchten. Diese geringere Aktivität kann Kraft und Selbstvertrauen zusätzlich schwächen und damit einen Kreislauf auslösen, der die Selbstständigkeit zunehmend beeinträchtigt.
Deshalb beruht ein gutes Programm nicht auf einer einzelnen Wunderübung. Gleichgewichtstraining entfaltet seine Wirkung vor allem, wenn es regelmäßig durchgeführt und mit Kräftigung sowie funktionellen Bewegungen verbunden wird. Bei häufigen Stürzen, Schwindel, ausgeprägten Gehproblemen oder früheren Knochenbrüchen sollte die Intensität unter fachlicher Anleitung angepasst werden. Das Ziel ist ganz praktisch: die Fähigkeit zu bewahren, vom Stuhl aufzustehen, eine Stufe zu steigen, durch die Wohnung zu gehen und Aufgaben sicher zu erledigen, die ein selbstständiges Leben ermöglichen.
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