Viele Menschen gehen davon aus, dass ein vorgewölbter Bauch grundsätzlich auf zu viel Körperfett zurückzuführen ist. Deshalb setzen sie auf strenge Diäten, steigern ihr Trainingspensum und stören sich dennoch weiterhin an ihrem Bauchumfang. Zwar zählt lokales Fettgewebe zu den häufigen Ursachen, doch es ist bei Weitem nicht die einzige Erklärung.
Laut dem plastischen Chirurgen Dr. Josué Montedonio, Mitglied der Brasilianischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie (SBCP), können verschiedene Veränderungen der Bauchdecke auch bei Menschen mit niedrigem Körperfettanteil den Eindruck eines „aufgeblähten Bauchs“ hervorrufen.
„Ich behandle viele frustrierte Patientinnen und Patienten, die abgenommen, ihre Ernährung verbessert und regelmässig Sport gemacht haben, deren Bauch jedoch weiterhin nach vorn steht. In solchen Fällen ist es wichtig zu verstehen, dass nicht immer Fettansammlungen die Ursache des Problems sind“, erklärt er.
Diastase zählt zu den häufigsten Ursachen
Zu den verbreitetsten Veränderungen gehört die Bauchdiastase, bei der die geraden Bauchmuskeln auseinanderweichen. Sie entsteht häufig während der Schwangerschaft durch das Wachstum der Gebärmutter, kann jedoch auch nach starken Gewichtsschwankungen oder bei entsprechender Veranlagung auftreten.
„Das Auseinanderweichen der Muskulatur verringert die Stabilität der Bauchdecke. Auch schlanke Patientinnen und Patienten können daher eine anhaltende Vorwölbung aufweisen, weil die Muskulatur einen Teil ihrer Haltefunktion eingebüsst hat“, erläutert Dr. Josué Montedonio. Neben dem ästhetischen Aspekt kann eine Diastase zudem mit einem Gefühl von Bauchmuskelschwäche, Schmerzen im unteren Rücken und Veränderungen der Körperhaltung verbunden sein.
Erschlaffte Haut und Hautüberschuss spielen ebenfalls eine Rolle
Ein weiterer Faktor, der häufig zu Missverständnissen führt, ist Hauterschlaffung. Nach einer deutlichen Gewichtsabnahme oder nach Schwangerschaften kann die Haut an Elastizität verlieren und ihre frühere Form nicht vollständig wiedererlangen. „Die Haut wirkt wie eine Art Hülle des Körpers. Verliert sie ihre Elastizität, kann überschüssige Haut zurückbleiben und die Bauchkontur verändern, selbst wenn in diesem Bereich nahezu kein Fett vorhanden ist“, so der Arzt. Bei manchen Patientinnen und Patienten treten Hautüberschuss und eine geschwächte Muskulatur gleichzeitig auf, was eine individuelle Beurteilung erforderlich macht.
Nicht jeder vergrösserte Bauch ist eine Operationsindikation
Nach Angaben des plastischen Chirurgen ist eine ärztliche Untersuchung besonders wichtig, da unterschiedliche Ursachen völlig verschiedene Behandlungsansätze verlangen. Steht lokales Fettgewebe im Vordergrund, bleiben Anpassungen des Lebensstils die erste Empfehlung. In anderen Fällen kann spezialisierte Physiotherapie dazu beitragen, eine Diastase zu verbessern, insbesondere bei einer nur leichten Muskelspaltung.
Patientinnen und Patienten mit ausgeprägtem Hautüberschuss oder einer stärkeren Diastase können von chirurgischen Eingriffen profitieren – stets nach individueller Indikationsstellung. „Jeder Bauch erzählt eine andere Geschichte. Die ideale Behandlung richtet sich nach dem Ursprung der Veränderung und nicht allein nach dem äusseren Erscheinungsbild“, betont er.
Sport allein löst nicht immer alle Probleme
Körperliche Bewegung ist zwar gesundheitsfördernd, reicht aber nicht in jedem Fall aus, um sämtliche Veränderungen am Bauch zu beheben. „Die Kräftigung der Muskulatur bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile und kann einige Fälle von Diastase verbessern, vor allem in Verbindung mit Physiotherapie. Liegt jedoch ein erheblicher Hautüberschuss oder eine deutliche Muskelspaltung vor, genügt Training allein möglicherweise nicht, um die Bauchkontur wiederherzustellen“, unterstreicht Dr. Josué Montedonio. Wer deshalb ohne Kenntnis der Ursache immer intensiver trainiert, riskiert vor allem zusätzliche Frustration.
Wann ist eine Untersuchung sinnvoll?
Dr. Josué Montedonio zufolge ist eine ärztliche Abklärung ratsam, wenn das Bauchvolumen trotz Gewichtsabnahme bestehen bleibt, nach einer Schwangerschaft oder starkem Gewichtsverlust überschüssige Haut vorhanden ist oder ein dauerhaft nach vorn gewölbter Bauch mit körperlichen Beschwerden einhergeht.
„Der erste Schritt besteht darin, die Ursache zu verstehen. Nicht jeder vorgewölbte Bauch ist Fett, und nicht jede Patientin oder jeder Patient benötigt eine Operation. Eine korrekte Diagnose ermöglicht es, für jede Situation die passende Behandlung zu empfehlen und dabei die individuellen Eigenschaften jedes Körpers zu berücksichtigen“, schliesst er.
Von Daiane Maio
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