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Psilocybin lindert Depression bereits nach einer Dosis

Frau sitzt lächelnd mit geschlossenen Augen an einem Tisch mit Medikamenten, Glas Wasser und Gehirnscan.

Eine einmalige Dosis Psilocybin linderte die Symptome einer Depression bereits innerhalb weniger Tage. Gegenüber Placebo hielten die positiven Effekte unserer neuen Studie zufolge mehr als drei Monate an.

An der im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichten Untersuchung nahmen 35 Menschen mit wiederkehrender Depression teil.

Die Teilnehmenden wurden per Zufall entweder Psilocybin oder einem Placebo zugeteilt. Das Placebo, Vitamin B3, ahmte bestimmte körperliche Wirkungen des Psychedelikums nach, etwa eine vorübergehende Hautrötung.

Vor der Einnahme, währenddessen und danach erhielten beide Gruppen psychologische Unterstützung.

Zwar haben mehrere Studien Psilocybin bei Depressionen untersucht, doch viele davon konzentrierten sich auf Personen, deren Beschwerden auf andere Behandlungen nicht angesprochen hatten – die sogenannte „therapieresistente Depression“.

Wir wollten herausfinden, ob der Wirkstoff auch Menschen mit häufigeren Formen der Depression helfen kann.

Psilocybin bei häufigeren Formen der Depression

Bereits nach acht Tagen zeigten die Personen, die Psilocybin erhalten hatten, deutliche Verbesserungen ihrer Stimmung. Am Ende der sechswöchigen Nachbeobachtung erfüllte mehr als die Hälfte der Teilnehmenden in der Psilocybin-Gruppe die Kriterien für eine Depression nicht mehr.

In der Placebo-Gruppe erreichte lediglich eine Person eine vergleichbare Verbesserung.

Insgesamt wurde die Behandlung gut vertragen. Zwei Teilnehmende erlebten allerdings Angstzustände, die über mehrere Wochen anhielten.

Um die Dauer möglicher Vorteile zu bestimmen, begleiteten wir die Teilnehmenden ein ganzes Jahr lang. Bei den selbst eingeschätzten Ergebnissen hielten die positiven Wirkungen in der Psilocybin-Gruppe etwas länger als drei Monate an.

Danach verringerte sich der Unterschied zwischen den Gruppen, weil sich auch die Placebo-Gruppe besserte. Das ist nicht ungewöhnlich: Depressionen verlaufen oft in Wellen, und Beschwerden können mit der Zeit auch ohne Behandlung nachlassen.

Etwas mehr als ein Drittel der Teilnehmenden in beiden Gruppen begann während der Nachbeobachtung mit antidepressiven Medikamenten – im Durchschnitt etwa vier Monate nach Beginn der Studie.

Das Problem der Verblindung

Eine wesentliche Herausforderung bestand in der „Verblindung“: Die Teilnehmenden sollten nicht wissen, ob sie Psilocybin oder ein Placebo bekommen hatten.

Obwohl identische Kapseln und ein aktives Placebo verwendet wurden, errieten fast alle Teilnehmenden korrekt, welche Behandlung sie erhalten hatten. Der Grund war vor allem, dass Psilocybin einen charakteristischen, unverwechselbaren veränderten Bewusstseinszustand auslöst.

Das ist bedeutsam, weil Erwartungen die Ergebnisse beeinflussen können. Bei den Personen mit Psilocybin könnten die intensiven Wirkungen am Tag der Einnahme die Hoffnung verstärkt haben, dass die Behandlung helfen würde.

Wer das Placebo erhielt und keine solchen Effekte verspürte, könnte dagegen enttäuscht gewesen sein. Keine dieser Reaktionen ist neutral, wenn Menschen später über ihre Stimmung und Symptome berichten.

Allein die Teilnahme an einer Studie führt häufig dazu, dass sich Menschen etwas besser fühlen – selbst in der Placebo-Gruppe. Sie erhalten Aufmerksamkeit, Unterstützung und regelmäßige Nachuntersuchungen.

Frühere Forschung deutet jedoch darauf hin, dass Personen, die in Psilocybin-Studien ein Placebo erhalten, sich oft weniger verbessern als Placebo-Teilnehmende in herkömmlichen Studien zu Antidepressiva. Ein ähnliches Muster zeigte sich auch bei uns.

Wenn sich Placebo-Gruppen in Psilocybin-Studien nicht in der üblichen Weise bessern, kann der Abstand zwischen Psilocybin und Placebo größer ausfallen. Dadurch könnte die Wirkung des Wirkstoffs stärker erscheinen, als sie tatsächlich ist.

Erwartungen und die Wirkung von Psilocybin

In der Gesamtschau ergänzen unsere Ergebnisse die Hinweise darauf, dass Psilocybin eine schnell wirkende und vergleichsweise lang anhaltende Behandlung gegen Depressionen bieten könnte. Das gilt auch für Menschen mit häufigeren Formen der Erkrankung und nicht nur für jene mit therapieresistenter Depression. Diese Eigenschaften könnten für Patientinnen und Patienten einen echten Unterschied machen.

Zugleich verdeutlichen die Ergebnisse eine zentrale Herausforderung für das Forschungsfeld: Wie lassen sich die biologischen Wirkungen des Medikaments von der starken Rolle von Erwartung und Erfahrung trennen?

Die Antwort auf diese Frage wird entscheidend dafür sein, zu verstehen, welchen Platz Psilocybin künftig in der psychischen Gesundheitsversorgung einnehmen kann.

Hampus Yngwe, Doktorand für Psychiatrie, Karolinska Institutet, und Johan Lundberg, außerplanmäßiger Professor für Psychiatrie, Karolinska Institutet

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut von The Conversation veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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